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Das Leben im Koffer nach Hause gebracht     15. bis 29.06.02

Thomas Engelbert stellt im Kulturspeicher Dörenthe aus / Dreidimensionales Tagebuch

Ein Raum, dessen Grenzen durch weiß gestrichene Latten fixiert sind, gefüllt mit Sedimenten einer Stadt und eines Lebensabschnitts. 

Mit dieser Installation "abort" stellt der junge Künstler Thomas Engelbert seine Abschlussarbeit für die Kunsthochschule Bremen im

Kulturspeicher Dörenthe aus. Ein Jahr lang lebte der Abiturient des Goethe-Gymnasiums in Barcelona, im alten Stadtteil Barceloneta am 

Hafen. Dort richtete er sich in einem eigentlich unbewohnbaren Raum nach und nach seinen Lebensraum ein und dokumentierte sein 

Leben dort mit Fotos, Fundstücken und Zeitungsausschnitten. Dies "dreidimensionale Tagebuch", wie Engelbert es selbst nennt, bildet

den Hauptteil der Ausstellung in Dörenthe, die noch am 23. Juni von 14 bis 18 Uhr und zur Finissage am 29. Juni um 16 Uhr besucht

werden kann. Die Sitzbank, der Tisch sind nun verlassen,

die Toilette scheint jetzt Bilder und Bruchstücke natürlicher und

künstlicher Herkunft aufzusaugen, nur eine Ablage mit Kaffee und

spanischem Rotwein sowie Gläsern und Bechern lädt noch zum

Leben ein. Der Orientierung verheißende Horizont, durch eine

schräge Bohle symbolisiert und ad absurdum geführt, trennt die 

von Engelbert fotografierte Welt in die Urelemente Himmel und

Wasser oberhalb und die Folgen menschlichen Schaffens unter-

halb der Hilfslinie. Die ausgeschnittenen Helden der Tageszeitun-

gen eines Jahres vergilben schon an ihren Plastikschnüren, werden 

zu beliebigen Formen wie die Treibholzstücke nebenan. Anders die 

Fotos von Menschen, die den Künstler in seinem Raum besucht haben. Sie wecken Erinnerungen, bleiben wichtig. Neue Bedeutung

gewinnen Kiesel, Scherben und Bauschuttstücke aus Barceloneta, die Engelbert zu Bodenfliesen zusammengestellt hat. Die Arbeit weit

über das übliche "Dinge-in-neue-Zusammenhänge-Stellen" hinaus. Es ist gerade die Normalität, das Gewinnen und Verlieren, Wiederauf-

tauchen und endgültige Verschwinden von Dingen, Menschen und Heimatgefühlen, die Thomas Engelbert in diese Form gebracht hat. Die

einjährige Heimat Barcelona, im Koffer in die Heimatstadt Dörenthe gebracht, das hat die Einmaligkeit eines künstlerischen Happenings.

Ganz überwiegend laden Engelberts Werke zum geistig-optischen Wandern ein oder stellen sich als kurzfristig angehaltene Momente des

Laufs der Dinge dar. Seine Ausstellung jedenfalls erweckt Interesse auch an dem Lauf der Dinge für diesen Ibbenbürener Künstler und

seine Entwicklung.

Text und Foto: Wilm Froese veröffentlicht IVZ 18.06.02 

 

Studentenbude aus Barcelona aufgebaut

Dörenther Thomas Engelbert stellt im Kulturspeicher seine ungewöhnliche Examensarbeit aus

Er wollte seinen Lebensraum darstellen, der ihn in seiner Persönlichkeit und seinem Selbstverständnis geprägt hat. Und er wollte etwas

aus der Fremde mit in die Heimat zurück nehmen. Im Dörenther Kulturspeicher kann seit Samstag jeder sehen, was für eine Art von 

Souvenir das ist: Eine komplette Studentenbude aus

Barcelona - aber eine der ganz besonderen Art. Thomas

Engelbert ist geborener Dörenther. Doch der 28-jährige 

hat schon viel von der Welt gesehen. Ein Jahr lang hat 

er in Barcelona studiert. Dieses Jahr hat er in einer

Installation festgehalten, bruchstückhaft zusammengefügt

in einem Raum, der sein Apartment in der spanischen

Metropole darstellt. Diesem Raum, der zu einem Teil

seines Lebens geworden ist hat er aus Spanien mit-

gebracht, um ihn im Dörenther Kulturspeicher aus-

zustellen. "Hier in meiner Heimat habe ich einen Groß-

teil meines Lebens verbracht. Jetzt kann ich durch die offene Tür auf den Kanalschauen, einem Ort meiner Kindheit und gleichzeitig in

meinem Leben in Barcelona sein", verdeutlicht er die Idee, die Installation in Dörenthe aufzustellen. "Es ist eine Darstellung von moder-

nem Nomadentum, von der Flexibilität, die die Gesellschaft einem abverlangt".

Ein Jahr lang hat er Fundstücke gesammelt, die aus seinem Viertel stammen, er hat Fotos von den Menschen gemacht, die bei ihm ein

und aus gingen. "Es ist eine Art von dreidimensionalem Tagebuch", so der Künstler. Dabei standen für ihn die spanischen Begriffe Er-

haltung des physischen Lebens und achsen neuer Möglichkeiten im Vordergrund. Gegliedert werden kann die Darstellung seiner Wohnung

in vier Teile. "Ich habe festgestellt, dass die Medien die Menschheit als überwiegend weiß und maskulin darstellt. Personen des öffent-

lichen Lebens sind hier festgehalten, der Strom, mit dem wir Menschen schwimmen. Demgegenüber steht die Persönlichkeit, also 

Menschen, die in meinem Leben relevant sind, die "Realität". Ein Spiegel an der Wand öffnet den Blick über das spanische Viertel in dem 

er lebte. Auffällig auch der "abort". "Dinge sind nie an dem Ort wo sie eigentlich hingehören. Ich habe sehr viel Müll und Schrott am Strand

gefunden. Doch hier verschwinden sie nicht im "abort", sondern sie kommen wieder heraus. Dennoch sind sie ab-ort, als nicht am Ort

ihrer Bestimmung", erklärt der ehemalige Goethe-Schüler. Man kann die Examensarbeit von Thomas Engelbert als ein sehr persönliches

Modell betrachten. "Es ist die Architektur einer persönlichen Infrastruktur", so der junge Künstler. Doch gleichzeitig ist es auch ein Bild

von Barcelona, nicht verklärend oder romantisierend, sondern sehr real und klar für den Betrachter. Die Installation wird noch etwa vier

Wochen im Kulturspeicher stehen. Man kann sie an den nächsten beiden Sonntagen betrachten und am darauffolgenden Samstag. An 

diesem Tag wird begleitend zur Ausstellung ein Jazzmusiker spielen. Danach baut er sie in Bremen auf - das sperrige Kunstwerk muss

dort als Examensarbeit abgenommen werden.

Text: Caren Linnemann veröffentlicht Tecklenburger Kreisblatt 17.06.02 

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