Navigation

Startseite

Wir über uns

Veranstaltungen

Mitglied werden

Links

Impressum

Jahresübersicht Rückblick Gezeichnetes Leben Speichermalkreis

< zurück                                                                                                                                 

Theater 1999 >>

Robinson Crusoe strandet in Dörenthe          14.08.1999

Pralles Theaterstück - nicht nur für Kinder

Mit den Besonderheiten und eigenen sensiblen Gesetzen eines Kindertheaters kamen Herbert Börger und Henning Strübbe am Samstag-

nachmittag als Robinson Crusoe und Freund Freitag bestens zurecht. Zwar musste das Stück vom ursprünglich hergerichteten Aufführ-

ungsort, dem Ponton in der Hafenbucht, der widrigen Wetterverhältnisse wegen in den Dörenther Kulturspeicher verlegt werden, aber man

hatte auch dort eine phantasievolle Insel mit Strandgut aufgebaut und die provisorische Stätte tat dem Vergnügen der Kinder (auch der

vielen Erwachsenen) keinen Abbruch. Dem Regisseur Robert Rickert stand wie den beiden Schauspielern ins zuweilen schweißnasse

Gesicht geschrieben, wieviel Spaß das Spiel für die Kinder machen kann, nutzt man denn zusätzlich zum Text auch die zahlreichen

nonverbalen Möglichkeiten Komik zu erzeugen. Die Pausen, vielsagende Blicke, das Durchschauen von Wortspielereien, das Erkennen

von Mißverständnissen, geschahen unter lautem Gelächter, Ermunterungen, Zustimmung und der Erkenntnis, dass selbst in schier

aussichtslosen Situationen Rettung möglich ist. Immerhin ist die Insel, auf der die beiden Schiffbrüchigen gelandet sind, eine sehr ein-

same (zumindest das von Jörn Schäfer eindrucksvoll umgebaute Schiff im Hafen ist das) und Heimweh und Hunger stellen sich als

Plagegeister ein. Aber: Solange bei allem slawischen Kauderwelsch (und das fabuliert Herbert Börger herrlich) und westfälisch ange-

hauchtem Hochdeutsch noch die Möglichkeit besteht, dass "Ich" und "Du" sich zu verständigen vermögen, können alle Probleme aus 

der Welt geschafft werden. Man kann sich balgen, streiten, versöhnen, teilen, gemeinsam schmausen, einander helfen, die verschiedenen

Temperamente versöhnen, voneinander lernen. So hat die Textvorlage von Giacomo Racicchio den lehrhaften Charakter des Defoe'schen

Romans bewahrt und bringt dem Leser oder Zuschauer die Überzeugung, mit gesundem Menschenverstand, Vertrauen, gutem Willen und

Tatkraft ist allen Missständen beizukommen. Der ältere Theatermann Börger spielt listig, lässt sich nicht aus der behaglichen Ruhe

bringen, kennt die Mittel der geschickten Spannungssteigerung (v. a. wenn er vielsagend mit den Augen rollt oder hinter dem Vorhang

verschwindet). Henning Strübbe spielt den Inselnewcomer, geht die Probleme bei weitem nicht so gelassen an, bewegt eher die andere

Seite menschlicher Zweifel und sucht nach prinzipiellen Auswegen. Beide lernen voneinander und man hat das Gefühl. selbst auf der

Bühne tun sie das mit bewundernswerter Spontanität. Heute um 19 Uhr und Dienstag um 17 Uhr wird "Robinson Crusoe" noch einmal zu

sehen sein - dann aber auf der Orgiginalinselbühne.

Text: Barbara Gerhardt, veröffentlicht IVZ 16.8.1999

 

Unverkrampft Theater spielen macht Spaß      14.07.99

Theaterworkshop im "Kulturspeicher Dörenthe"

"Ein hoffnungsloser Fall", meint Robert Rickert und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Der Mitinitiator des Kulturspeichers Dörenthe

versucht vergeblich, Alexander und Tobias beizubringen, beim gespielten "in-den-Haaren-ziehen" nicht zu lachen. "Geh doch, wo du

wohnst", sagt Rickert scherzend, gibt auf und schickt die Kinder von der Bühne im Kulturspeicher an der Hafenstrasse. Theaterwerkstatt

für Kinder als Ferienspaß? "Die Vereine sind an uns herangetreten, wir waren einfach dran", meint Rickert, dem die Sache richtig Freude

macht. 26 Kinder im Alter von drei bis elf Jahren nahmen an dem Workshop am Mittwoch Nachmittag teil. "Damit habe ich gar nicht ge-

rechnet - bis gestern waren nur fünf Kinder angemeldet", zeigt sich Rickert überrascht. Doch den Mann mit dem Rauschebart kann der 

plötzliche Ansturm nicht umhauen, er geht völlig unverkrampft und spontan mit den kleinen Teilnehmern um - und die haben mächtig Spaß.

Zum Beispiel bei dem Zahlendialog in der ersten Spielphase, bei der es um Mimik und Betonung geht. Christin (9) hat den Part des Quer-

teibers, der immer alles anders haben will als die anderen. Sind die anderen zehn traurig, ist der Quertreiber fröhlich und umgekehrt. 

Christin kommt fast ins Trudeln, denn sie hat neben ihrer Rolle noch den Part der Souffleuse. Ihre Schwester Laura (5) sitzt nämlich

neben ihr und kriegt das mit dem Zählen noch nicht so ganz auf die Reihe. "Das hier sehe ich als Schnupperkursus. Die Kinder sollen

sehen, was es bedeutet, auf der Bühne zu stehen. Die gleiche Arbeit mache ich auch mit Erwachsenen - wenn die mal so aus sich her-

ausgehen würden wie die Kinder hier. Aber die sind mit dem Kopf dabei und müssen die Hemmungen überwinden, die die Kinder erst

gar nicht haben." Sogar die schüchterne Louise (5) macht mit. Und die Jüngste, die dreijährige Johanna, ist ganz begeistert vom Theater-

spiel. Jenna (11) findet den Workshop: "Super!" Warum die Kinder so schnell lernen? "Theaterspielen - das machen die doch zu Hause

auch", sagt Rickert und verfällt in einen weinerlichen Ton: "Mama, ich kann gar nicht schlafen!" "Woher weißt du das denn", fragt Jenna

erstaunt. "Ich war selber Kind", meint Rickert grinsend. Und weiter geht´s im Programm. In der zweiten Hälfte des Workshops erspielen

die Kinder sich eine  eigene Kriminalgeschichte aus wenigen Vorlagen Rickerts. Mit Perücken, Kostümen und etwas Schminke macht

die Sache gleich doppelt so viel Spaß. Für die Kinder verging der Nachmittag jedenfalls wie im Fluge.

Text: Elke Kockmeyer, veröffentlicht IVZ 15.07.99

 

Autorin wirkte desinteressiert      Kriminight 08.05.99

Krimi-Nacht im Kultur-Speicher

Kulturspeicher, Lesung und Lesung durch Autoren sind zweierlei. Den einen dient die eigene Vorstellung zur kräftigen Steigerung der

Verkaufszahlen, den anderen gelingt es kaum, Interesse zu wecken. Zu den ersteren kann sich die Schriftstellerin Ursula Meyer kaum

zählen lassen - und das ausgerechnet als Krimiautorin. Ihre Mordstory "Endstation Aasee" verlor schon  im ersten Vortragsblock sehr an

Spannung und das lag nicht nur an der unzumutbaren Lauschanstrengung, der man sich als Zuhörer unterziehen musste. Selbst nach 

dem Einsatz seines Mikros erfuhr man sich nicht gerade als gespannter Fährtensucher, zitterte man nicht gerade vor ungeduldigen Fragen

und Vermutungen und schon gar nicht vor Gänsehaut. Die am eigenen Werk desinteressiert wirkende Münsteranerin hätte unprägnante

und viel zu lange Passagen "zum Besten" gegeben, die dem Vorantreiben des Geschehens (und das eben fasziniert den Krimileser doch

ganz besonders) durch ausführliche Schilderung von Nebenschauplätzen und subtile Charakterbeobachtungen, durch lange Auflistung von

Banalitäten (zwar können die am Ende alle wichtig werden - aber so viele kann selbst der geübte Krimileser nicht verarbeiten) immer wieder

Steine in den Weg warfen. Schade oder ein Trauerspiel, dass die Spannung so einfach weggelesen wurde.

Dafür aber gab es das starke Ambiente des Dörenther Kulturspeichers, die Rahmeneinlagen einer sich eigens für diesen Abend konstitu-

ierten Theatergruppe, und schließlich zwei Musiker, die gleich eigangs die passende Verstimmung herstellten. Miriam Frank als großartig

improvisierende Jazzsaxophonistin (und Tochter einer als verantwortlicher Zeuge im Hintergrund weilenden Ibbenbürener Buchhändler-

familie) und der eigenwillige, exzentrisch aufspielende Kontrabassist Axel Morsey, der nicht nur mit schwierigen Passagen seinem locker-

besaiteten Partner Erstaunliches abzupfte. Die Rechung der Gruppe "Abgang" (Jürgen Hecker, Kerstin und Klemens Kühs, Melanie Stiehl)

auf ein großes und bereitwilliges Samstagabendpublikum ging vollständig auf und man ließ diesem durch witziges, freches Spiel und

intelligente, kabarettistische Wortplänkeleien wenig Muße, sich ins eigene Gewissen zu sehen (immerhin schien de eigens eingebaute

Krimi im Krimi fürs Tägliche vielseitig verwendbar) oder sinnierend am Grabe gesellschaftlicher Fassadenmalerei zu verweilen.

Hans-Günter Schwarze-Beßler moderierte zugkräftig die launische Besinnungsstunde zu Ehren des schillernden Opfers und hätte beim

Auftauchen einer neuen Metaebene besser konsequenter durchgegriffen, als zu später Stunde die amüsante Leichtigkeit von Triviallite-

ratur durch ermüdendes Verlesen philosophischer Reflextionen (sei es über die Farbe Schwarz oder die im Speicher kaum lösbare Frage

nach dem Sinn des Todes) dahinzuschwinden drohte.

veröffentlicht IVZ 10.05.99  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

www.kulturspeicher.net | www.kulturspeicher-doerenthe.de | www.kulturspeicher.com