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Theater 2010>>

 

Lotten lästern im Kulturspeicher                     am 13. November 2010

Kabarettistinnen bereiten in Dörenthe bunten Abend

Wer sich am Samstagabend für den Kulturspeicher Dörenthe und das 

aktuelle Programm der "Lästerlotten" aus Osnabrück entschieden hatte,

erlebte einen Abend mit herrlicher Komik, beißender Satire und fetziger

Musik für "mann" und "frau". "Lie-Hie-Be" oder was ist Liebe, das sollte

inhaltlich in allen Facetten beleuchtet werden. Die Lästerlotten, sechs

Frauen zwischen 33 bis 75 Jahren mit unterschiedlichen Berufen,

präsentieren musikalisch-feministisches Kabarett. 

Gisela Dillmann begrüßte das 70-köpfige Publikum, das vorwiegend aus

Frauen bestand. Die Frage was denn Liebe sei stellte sie in den Raum 

und gab auch gleich fragende Antworten dazu: "Ist es ein lustiges Gesellschaftsspiel oder etwa eine hormonelle Herzstörung, eine vor-

übergehende Bewusstseinsstörung oder einfach nur das größte Theater der Welt", stimmte sie die Zuhörer auf das Programm ein. Mit

einer gelungenen Mischung aus Sketchen, Parodien, Schattentheater und Spielszenen sollten zu diesen weltbewegenden, schwierigen

Fragen Antworten gefunden werden. A cappella ging es dann auch gleich mit

dem Wort "Liebe" los. Gisela Dillmann, Renate Kebben, Inge Hagemann,

Kordula Flemming, Beate Braune und Marjan de Heus zerlegten das Wort

gesanglich und betonten dabei die vielen Facetten, die sich dahinter ver-

bergen. "Sex geht ganz einfach", verkündeten sie, man müsse nur bereit 

sein. Musikalisch brachten die sechs Damen das in Liedparodien auf den

Punkt. Dazu bediente Marjan de Heus das Keyboard, Inga Hagemann die

E-Gitarre, Kordula Flemming und Beate Braune spielten weitere Gitarren 

und Gisela Dillmann und Renate Kebben sorgten für die Perkussion. Auch 

gelesene Texte etwa von Erich Fried leisteten einen Beitrag zur Aufklärung. Trotz sinnloser Verliebtheit wird geheiratet! Dazu zeigten die

sechs Kabarettistinnen eine gelungene Spielszene, die von "Endlich bin ich verheiratet" bis zu "Jetzt bin ich unglücklich" reichte. Aber

auch das Tabuthema Missbrauch wurde sehr eindrucksvoll und bedrückend dargestellt. Dazu zeigten Beate Braune und Gisela Dillmann

eine eindeutige Szene als Schattentheater. In weiteren Liedparodien sangen sie über die "Suche nach dem Glück" oder den Freitagabend

als Fernsehparadies. Zum Thema heißeste Telefonnummer oder gar Kontaktanzeige antworteten sie in Spielszenen, die kein Auge mehr

trocken ließen. "Eine Frau wird erst schön durch die Liebe" war die Überleitung zum Schönheitswahn. Dr. Dr. med. I. Feinschnitt, alias

Inga Hagemann, erschien als Facharzt für fantastische Chirurgie und Ästhetische Properlogie. Dazu packte sie einen Korb aus und

zauberte zwei Busenmodelle zum Anfassen ans Tageslicht. Anschließend präsentierte sie ihr gelungenes Schönheitsmodell, das von

Kordula Flemming überzeugend per musikalischem Auftritt dargestellt wurde. Immer wieder reagierte das begeisterte Publikum mit

Applaus. In einer Pause während der Spielzeit brachten die Zuschauer bereits ihre Begeisterung über das sozialkritische Programm im

Gespräch zum Ausdruck, vor allem was da an nachdenklichem Potenzial drinstecke, sei beachtlich. Auch den Männern habe es gut

gefallen, hieß es. Natürlich kamen die Lästerlotten nicht ohne Zugabe davon.

Text und Bilder Angelika Keidel, veröffentlicht IVZ 15.11.2010

 

 

Der Weg zur Arche ist steinig                            16. und 17. Oktober 2010

Figurentheater "Grinsekatze" gastierte im Kulturspeicher Dörenthe

Die eurasische Tüpfelente "Birdy" und ein Elefant mit dem einfallsreichen Namen "El" sind die beiden Hauptdarsteller in dem ersten The-

aterstück der Puppenspielerin Heike Hesse und ihres Mitspielers Markus Hesse. Die Idee stammt von Heike Hesse, die eine Ausbildung

zur Puppenspielerin absolviert hat und ihr Hobby demnächst hauptberuflich ausüben will. Über die Gestaltung von Kindergottesdiensten

sei sie zum Puppenspiel gekommen, erzählt die Reckerin. Sie hat die Geschichte von der "Arche Dingsda" selbst geschrieben und auch

die Modelle für die Puppen entwickelt. Gebaut wurden sie im Atelier des bekannten Figurenmachers Norman Schneider in Bielefeld. Das

Figurentheater "Grinsekatze" ist ein Familienunternehmen: Tochter Chiara führt Regie und achtet darauf, dass bei der Vorführung nichts

schiefgeht. "Wie sind eigentlich die Tiere in die Arche Noah gekommen?" Diese Eingangsfrage wurde im Laufe des Abends zumindest

für Ente, Elefant, Schlange und ein übergroßes Ei beantwortet. Auf dem Landweg mussten sie hohe Berge überwinden und zuletzt waren

sie noch ein Stück zu Wasser unterwegs. Auch wenn "El" zunächst recht skeptisch schaute: Elefanten sind gute Schwimmer, die sogar

große Strecken überwinden können. Dafür können Enten fliegen. Das konnte "Birdy" nicht glauben, bis sie es einfach versuchte und lustig

herumflatterte. Viele nette Spielideen und geschickt eingesetzte Requisiten amüsierten am Samstagabend die Zuschauer in Dörenthe bei

der Premiere. Ein Gewitter sorgte für Spannung, dazwischen gab es immer wieder ruhige Szenen, in denen die Puppenspieler selbst das

Geschehen bestimmten und vor der Bühne die Puppentheater-Erzählung aufnahmen und vertieften. Wie in der biblischen Geschichte von 

der Sintflut blieben am Ende des Tischfiguren-Theaterstückes symbolisch die Friedenstaube und der Regenbogen als Zeichen der Ver-

söhnung im Raum. Die Zuschauer waren sehr angetan. "Es war ein ruhiges Stück, eben eine andere Form von Puppenspiel", bemerkte

Bernhard Friebe aus Ibbenbüren. Und der siebenjährigen Madeleine hat der Elefant am besten gefallen. Bei einem Gläschen Sekt wurde

noch ein Weilchen geplaudert und auf die erfolgreiche Erstaufführung angestoßen. Am Sonntagnachmittag fieberten etwa 50 Kinder mit,

als sich Ente und Elefant auf die abenteuerliche Reise zur "Arche Dingsda" machten.

Text: Brigitte Striehn, veröffentlicht IVZ 19.10.2010

 

Publikum nimmt am Entsetzen teil                    20. Juni 2010

Montagsspieler geben "Tannöd" im Kulturspeicher Dörenthe / Wechselnde Perspektiven

Videoeinspielungen zeichnen ein düsteres Bild von einer einsamen Gegend. Es ist kalt, Schnee fallt. Morde geschehen in der Einöde,

grausam und scheinbar ohne Grund. Alle Bewohner eines abgelegenen Hofes werden erschlagen. Es ist das bedrückende Bild einer

dörflichen Gemeinschaft in der bayrischen Provinz, das sich das Publikum am Samstag im Kulturspeicher Dörenthe aus realem Ge-

schehen, Monologen, Anklagen und Rechtfertigungen selbst zusammen setzen muss. Schon zum dritten Mal traten "Die Montags-

spieler" im Kulturspeicher Dörenthe auf. Die Amateur-Theatergruppe der Volkshochschule Osnabrück besteht schon seit 15 Jahren.

Komödien standen bereits auf ihrem Spielplan, in diesem Jahr sollte es ein ernstes

modernes Stück sein. Die Auswahl fiel nach einigen Proben auf "Tannöd", basierend 

auf einer Romanvorlage der Regensburger Autorin Andrea Maria Schenkel. Die Bühnen-

fassung von Maya Fanke und Doris Happl folgt Text und Grundstruktur des Kriminal-

romans, verdichtet noch stärker die wechselnden Perspektiven, aus denen sich die

Handlung entwickelt. Ein Jahr hat es gedauert, bis das Stück auftührungsreif war, seit 

April sind die "Montagsspieler" damit unterwegs, erzählt Regisseur Carsten Steuwer. 

Raphael Völler vom Förderverein Kulturspeicher Dörenthe freut sich am Samstagabend über das Interesse des zahlreichen Publikums. 

Es wird Zeuge, wie das unter der vorgetäuschten Idylle schlummernde Netz von Intrigen, verdrängter Schuld und vertuschten Verbrechen

zum Vorschein kommt. Der schreckliche Sechsfachmord auf dem Einödhof der Danners bringt so manches ans Licht, das besser für

immer im Dunkel geblieben wäre. Die Frage nach dem "Warum" wird gestellt, aber nicht beantwortet. Nach den letzten Worten des 

Georg Hauer dauert es ein paar Sekunden, ehe die Zuschauer begreifen: Es ist zu Ende, das Spiel ist aus. Dann erst brandet Applaus 

auf. Er gilt einem Ensemble, das über die gesamte Spieldauer das Publikum gefesselt und kaum Zeit zum Atemholen gelassen hat. 

Dabei beschränken sich Bühnenbild und Requisiten auf das Notwendigste, die Geschichte wurde allein durch die schauspielerischen

Leistungen und die Ideen des Regisseurs lebendig.

Die 20 Rollen sind von zehn Schauspielern besetzt,

die sich blitzschnell in die Personen hineinversetzen

müssen, um die Handlung glaubwürdig voranzutreiben.

Mit beeindruckendem Spiel agiert besonders Claus

Weidner, der sowohl den alten Danner als auch den

Dieb und Gelegenheitsarbeiter Michael Baumgartner

verkörpert. Kalte Schauer laufen manchem über den

Rücken, als er mit ihm auf dem Dachboden den

Mörder bei seinem Tun beobachten muss. Grässliche

Angst und schieres Entsetzen im Gesicht, flieht 

Michael am Ende der Szene ohne Beute aus dem Haus.

Bei dem wahren Mordfall von 1922 in Hinterkaifeck, den Autorin Schenkel literarisch verarbeitete, wurden die Täter nie gefasst. Im Roman

und dem Bühnenstück gibt sich der Mörder zu erkennen. Wer den Krimi zuvor nicht gelesen hat, muss entsetzt feststellen, dass er die

ganze Zeit dem perfiden Spiel des Mörders zusieht, seine Schritte verfolgt, seine Worte hört und dennoch nur eine Ahnung von seinem 

Tun hat. Es gibt Anzeichen, aber das Motiv bleibt lange nicht erkennbar. Erst zum Schluss hin verdichtet sich der Verdacht. Beliebt 

waren sie nicht, die Danner, aber wer erschlägt denn kleine Kinder? Es war der Teufel höchstpersönlich, ist sich die Pfarrköchin sicher. 

Die gemurmelten Gebete von Schuld und Erlösund zeigen die Beklemmung, aus der die Dorfbewohner in der engen Gemeinschaft nicht

entfliehen können. Sie sind gefangen in eigener Schuld, in dem Wissen um Vorgänge, von denen jeder weiß, über die aber keiner spricht.

Schweigsam sind sie ohnehin alle. Selbst die Kramerin Anna Meier, der die Leute eine Menge erzählen in ihrem Laden, verschließt sich

den Fragen nach dem Geschehen auf dem "Mordhof", wie er fortan heißt. "Mich geht das alles, nichts an", sagt sie. Es war kein erhei-

ternder Theaterabend, obwohl die überzeichneten Figuren der Krämersfrau oder der Pfarrköchin ein wenig amüsieren konnten. Die 

Bigotterie der Frauen, die latente Gewaltbereitschaft der Männer und die allgemeine Stimmung von Angst und Bedrohung wirken jedoch 

zu bedrückend, als dass sich die Anspannung hätte in einem Lachen befreien können. 

Text: Brigitte Striehn, veröffentlicht IVZ 22.06.2010
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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