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Theater 2010>> Montagsspieler geben "Tannöd" im Kulturspeicher Dörenthe / Wechselnde Perspektiven Videoeinspielungen zeichnen ein düsteres Bild von einer einsamen Gegend. Es ist kalt, Schnee fallt. Morde geschehen in der Einöde, grausam und scheinbar ohne Grund. Alle Bewohner eines abgelegenen Hofes werden erschlagen. Es ist das bedrückende Bild einer dörflichen Gemeinschaft in der bayrischen Provinz, das sich das Publikum am Samstag im Kulturspeicher Dörenthe aus realem Ge- schehen, Monologen, Anklagen und Rechtfertigungen selbst zusammen setzen muss. Schon zum dritten Mal traten "Die Montags- spieler" im Kulturspeicher Dörenthe auf. Die Amateur-Theatergruppe der Volkshochschule Osnabrück besteht schon seit 15 Jahren.
modernes Stück sein. Die Auswahl fiel nach einigen Proben auf "Tannöd", basierend auf einer Romanvorlage der Regensburger Autorin Andrea Maria Schenkel. Die Bühnen- fassung von Maya Fanke und Doris Happl folgt Text und Grundstruktur des Kriminal- romans, verdichtet noch stärker die wechselnden Perspektiven, aus denen sich die Handlung entwickelt. Ein Jahr hat es gedauert, bis das Stück auftührungsreif war, seit April sind die "Montagsspieler" damit unterwegs, erzählt Regisseur Carsten Steuwer. Raphael Völler vom Förderverein Kulturspeicher Dörenthe freut sich am Samstagabend über das Interesse des zahlreichen Publikums. Es wird Zeuge, wie das unter der vorgetäuschten Idylle schlummernde Netz von Intrigen, verdrängter Schuld und vertuschten Verbrechen zum Vorschein kommt. Der schreckliche Sechsfachmord auf dem Einödhof der Danners bringt so manches ans Licht, das besser für immer im Dunkel geblieben wäre. Die Frage nach dem "Warum" wird gestellt, aber nicht beantwortet. Nach den letzten Worten des Georg Hauer dauert es ein paar Sekunden, ehe die Zuschauer begreifen: Es ist zu Ende, das Spiel ist aus. Dann erst brandet Applaus auf. Er gilt einem Ensemble, das über die gesamte Spieldauer das Publikum gefesselt und kaum Zeit zum Atemholen gelassen hat. Dabei beschränken sich Bühnenbild und Requisiten auf das Notwendigste, die Geschichte wurde allein durch die schauspielerischen Leistungen und die Ideen des Regisseurs lebendig.
Die 20 Rollen sind von zehn Schauspielern besetzt, die sich blitzschnell in die Personen hineinversetzen müssen, um die Handlung glaubwürdig voranzutreiben. Mit beeindruckendem Spiel agiert besonders Claus Weidner, der sowohl den alten Danner als auch den Dieb und Gelegenheitsarbeiter Michael Baumgartner verkörpert. Kalte Schauer laufen manchem über den Rücken, als er mit ihm auf dem Dachboden den Mörder bei seinem Tun beobachten muss. Grässliche Angst und schieres Entsetzen im Gesicht, flieht Michael am Ende der Szene ohne Beute aus dem Haus. Bei dem wahren Mordfall von 1922 in Hinterkaifeck, den Autorin Schenkel literarisch verarbeitete, wurden die Täter nie gefasst. Im Roman und dem Bühnenstück gibt sich der Mörder zu erkennen. Wer den Krimi zuvor nicht gelesen hat, muss entsetzt feststellen, dass er die ganze Zeit dem perfiden Spiel des Mörders zusieht, seine Schritte verfolgt, seine Worte hört und dennoch nur eine Ahnung von seinem Tun hat. Es gibt Anzeichen, aber das Motiv bleibt lange nicht erkennbar. Erst zum Schluss hin verdichtet sich der Verdacht. Beliebt waren sie nicht, die Danner, aber wer erschlägt denn kleine Kinder? Es war der Teufel höchstpersönlich, ist sich die Pfarrköchin sicher. Die gemurmelten Gebete von Schuld und Erlösund zeigen die Beklemmung, aus der die Dorfbewohner in der engen Gemeinschaft nicht entfliehen können. Sie sind gefangen in eigener Schuld, in dem Wissen um Vorgänge, von denen jeder weiß, über die aber keiner spricht. Schweigsam sind sie ohnehin alle. Selbst die Kramerin Anna Meier, der die Leute eine Menge erzählen in ihrem Laden, verschließt sich den Fragen nach dem Geschehen auf dem "Mordhof", wie er fortan heißt. "Mich geht das alles, nichts an", sagt sie. Es war kein erhei- ternder Theaterabend, obwohl die überzeichneten Figuren der Krämersfrau oder der Pfarrköchin ein wenig amüsieren konnten. Die Bigotterie der Frauen, die latente Gewaltbereitschaft der Männer und die allgemeine Stimmung von Angst und Bedrohung wirken jedoch zu bedrückend, als dass sich die Anspannung hätte in einem Lachen befreien können. Text: Brigitte Striehn, veröffentlicht IVZ
22.06.2010
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