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Da kam Leben in den Kulturspeicher

"Kunstsommer 2007" des Kreises eröffnet

Da war richtig Leben im alten Kulturspeicher am Dörenther Hafen, als am Samstagabend der "Kunstsommer 2007" des Kreises Steinfurt

eröffnet wurde. Und nicht nur, weil sich die vielen Vernissage-Gäste zunächst einzeln und stumm oder in plaudernden Gruppen, treppauf

treppab einen Überblick über die umfangreiche Ausstellung außen und innen verschafften. In dem wuchtigen Gebäude ist nämlich eine

sehr lebendige Präsentation des Schaffens von zwölf Künstlern der näheren und weiteren Region zu verarbeiten. Bilder in mutigen Farben

nutzen die weißen Wände des geschickt mit Tuchbahnen unterteilten großen Ausstellungsraums im Obergeschoss, um die verschiedene

Sicht der Dinge eindringlich vorzustellen. Schwungvolle Skulpturen aus Stein, Metall, Holz oder Ton ziehen sogar auf den Treppenabsätzen

und an den Außenwänden die Aufmerksamkeit auf sich. Eine Sonderausstellung nehmen auch räumlich die Werke von Gertrud M. 

Krueger ein, die als Einzige nicht mehr zu den "Jungen Künstlern" zählt. Im Zentrum steht ihr "Folkswagen" ein altes hölzernes Fahrge-

stell, von ihr selbst restauriert und mit Fahrgästen aus Stahl ausgestattet. Mit denen spielte der Saxophonist Robert Kretzschmar aus

Ostercappeln das musikalische Rahmenprogramm. Mal schien es, als ob der "Erfinder" auf seiner wackligen Basis dem Altsaxophonisten

die einschmeichelnden Melodiebögen entlockte. Dann drehte sich das "Kind" ach den schrillen Tönen, die Kretzschmar nur mit dem

Mundstück bildete. An den wie Stacheln vom "Weisen" ausgehenden Antennen rieb sich der Musiker, konnte mit seinen bluesigen Ton-

folgen den auf dem Kopf stehenden "Autor" nicht in die richtige Lage versetzen und scheiterte auch an dem in sich ruhenden, spitznasi-

gen "Narren". Aber die umstehenden "Mitreisenden" des Folkswagens, soweit sie aus Fleisch und Blut waren, hat der frühere Lehrer von

"Pink Pop" begeistert. Sogar Gertrud Krueger äußerte sich angetan von Kretzschmars gewagtem Umgang mit ihrem Milenniumsprojekt.

Auch über die Werke der anderen Aussteller freute sie sich sehr und machte ihnen Mut zur weiteren Arbeit. Damit sprach sie gleichzeitig

dem Konzept des nun schon dritten Kunstsommers und der Zusammenstellung der Teilnehmer ein großes Lob aus. 

Das ist das Verdienst der Keramikerin Barbara Müller, die derzeit in Tecklenburg wohnt. So unterschiedlich die Projekte auch sind, die 

sie hier hat zusammenstellen lassen, sie wirkten nicht wie eine Wundertüte, sondern wie Teile eines Universums, an dem die Kargheit

der ehemaligen Lagerräume, die Besucher und die Künstler selbst, die Musik sowie der laue Frühabend auch Anteil hatten. Doch es

muss nicht immer Sommerabend sein, um sich an diesem Höhepunkt im bisherigen Dasein des Kulturspeichers zu erfreuen. Und gewiss

würde jeder sein Lieblingswerk finden. Da gibt es große und kleine Stadtansichten von Tanja Kiesewalter, Holzbilder von Ralf Schiefer-

decker, Gemälde auch von Peter Ludwig und der Ibbenbürenerin Beate Nospickel. Ihre kleinen Plastiken würden zusammen mit den 

Keramikarbeiten von Brigitte Schneider und Barbara Müller, den Steinskulpturen von Günter Schlömann, den Holzskulpturen von Bernd

Obernüfemann, den Steinen und Bronzen von Claudia Pigors und den Metallskulturen von Jürgen Linnemann, zusammen mit Gertrud

Kruegers Projekt in Stahl und Eiche dem Tastsinn manche interessante Aufgabe stellen. Eine veritable Skulpturenschau im Kleinen,

erweitert um Tafelbilder, die allesamt "greifbar" zu sein scheinen, gespiegelt in den "Real Visionen" von Ebbe Burg. Da konnte Monika

Haselon, die für den Förderverein des Kulturspeichers die Gäste begrüßte, zu Recht stolz auf die Entwicklung des Ausstellungsgebäu-

des sein, das erstmals Schauplatz des Kultursommers ist und damit seine Ausstrahlung über die nähere Umgebung hinaus ausweitet.

Ein Besuch lohnt sich, vielleicht in Verbindung mit einem der anderen Veranstaltungen rund um den "Kunstsommer 2007".    

Text. Wilm Froese, veröffentlicht IVZ 27.08.07 

 

Ecken und Kanten haben ihren Reiz

Kunstsommer zerfiel in zwei Teile / Begleitende Veranstaltungen verbesserungswürdig

Der einwöchige "Kunstsommer" des Kreises Steinfurt und des Kulturspeicher in Dörenthe haben wunderbar zusammengepasst. Beide,

Veranstaltung und Veranstaltungsort, strahlen etwas Unkonventionelles, wenig Geglättetes, manchmal Unfertiges aus. Aber die Ecken

und Kanten haben auch ihren Reiz, stehen für Mut, Engagement und Ideen. Dieser Kunstsommer 2007 erfiel, man muss es wohl so 

deutlich sagen, in zwei unterschiedliche Teile. Der eine war die gelungene und nicht unbedeutende Ausstellung selbst mit ihrer Vielzahl

an jungen Künstlern und Werken, die es zu entdecken galt und weiter gilt. Zehn junge, sehr unterschiedliche Künstler anzusprechen, von

einem Konzept zu überzeugen und ihre Werke einvernehmlich in den Räumlichkeiten zu "hängen" und aufzustellen, das ist eine harte

Aufgabe. Zumal wenn man als elfte ebenfalls ausstellen und außerdem den Werken einer arrivierten Künstlerin besonderen Raum ein-

räumen will. Die Frau, die die Idee des Kunstsommers hatte und sie nun zum dritten Mal in die Tat umsetzte, ist die Keramikerin Barba-

ra Müller, die in Lengerich wohnt und arbeitet. Man sagt, dass sie sich um alles mehr oder minder allein gekümmert hat, vom erfolgreichen

Ansprechen der vielen Sponsoren bis zu den ideenreich auf den Tischen arrangierten Kerzen. Eine tolle Leistung. 

Der Preis, den sie zahlen musste, war, dass ihr eigenes für diese Ausstellung vorgesehenes Werk nicht fertig geworden ist, ihre erste

Installation. Nun sieht man Schalen, flächige Arbeiten und Figuren und hätte gern ein großes Werk von ihr gesehen und ihm entsprech-

ende Aufmerksamkeit gegönnt. Aber auf viele andere hat dieser Kunstsommer aufmerksam gemacht. Das wird in die Zukunft ausstrahlen.

Und vielleicht hat die Arbeit mit Kindern am Samstagnachmittag noch weitergehende Fernwirkung. So überzeugend die Ausstellung und

ihr Arrangement sind, so angreifbar waren die begleitenden Veranstaltungen mit Musik, Tanz und Lesungen. Nicht von der Idee, sondern

von der Durchführung. Auch hier geht es ja darum, jungen Leuten aus einer nicht zu eng gezogenen Region ein Forum zu geben, sich 

und ihre Produktionen und Gedanken vorzustellen. Aber anders als bei den bildenden Künstlern war der Rahmen zumindest verbesse-

rungsbedürftig. Zu wenig Informationen für alle, die Künstler wie die Besucher, Unstimmigkeiten über die Anfangszeiten, zu unbestimmt

der Zweck der jeweiligen Abende und folglich nicht die ideale Bestuhlung und Ausleuchtung. Zu wenig Entschiedenheit im Ablauf. Es sind

viele, oft kleine Dinge, die den Erfolg dieser Rahmenveranstaltungen beeinträchtigen. Das ist schade, weil auch sie zum Kunstsommer

dazugehören. Sie ziehen Publikum an, das wegen der bildenden Kunst allein vielleicht nicht kommen würde. Sie sind Knotenpunkte im 

Ablauf der Kunstwoche, an denen Veranstalter, Künstler und Gäste sich in Ruhe über vieles klar werden oder unterhalten können. Und 

in der Gesamtheit des Konzepts kann man sogar Künstler dazu bringen, hier ihr Debüt zu geben, gerade aus der schreibenden Zunft,

weil der eigene Anteil nicht so erschlagend groß wirkt wie bei einer Einzelveranstaltung. Das macht diese Abende wichtig. Wünschens-

wert wäre, wenn sich nun jemand fände, der Barbara Müller auf der einen Seite entlasten würde, ohne ihr die Gesamtleitung aus der

Hand zu nehmen, und auf der anderen Seite auch den poetischen und musikalischen Teil des Kunstsommers zum Strahlen bringen

könnte. Ibbenbüren hat sicher solche Leute. Der nächste Kunstsommer kommt nämlich bestimmt, und er wird wieder im Kulturspeicher

stattfinden.

Kommentar: Wilm Froese, veröffentlicht IVZ 4.9.07

 

 

                                                                                                                        

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