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Ausstellungen 1999 >> Vom Steinbruch in den Kulturspeicher 6.11. bis 5.12.1999 Ungewöhnliche Sandsteinarbeiten in Dörenthe in einer Kunstausstel1ung mit stimmigem Konzept Ein rundum stimmiges Konzept liegt der Kunstausstellung zugrunde, die am Samstagabend im Kulturspeicher Dörenthe eröffnet wurde. Frank Gillich und Michael Schüttrumpf, zwei Osnabrücker Künstler, die mit dem Ibbenbürener Sandstein arbeiten, können sich in einer großen Halle ausbreiten. Im Stockwerk darüber wird der Besucher von den bei den einheimischen Betrieben Paetzke und Woitzel sehr anschaulich in die Sandstein-Bearbeitung eingeführt. Schon vor dem Kulturspeicher imponierten die ersten Ausstellungsstücke: Ein riesiger Radlader und große Steinblöcke vermitteln einen Eindruck von Größe und Gewicht des Werkstoffs. Über zwei Tonnen wiegt ein Kubikmeter Ibbenbürener Sandstein. Im Obergeschoss zeigen Fotos und ein Video den Arbeitsprozess. Man bekommt vorgeführt, welch großer Einsatz von Maschinen, Werkzeugen und Wasser nötig ist, um Blöcke und Platten zu schneiden. Christoph Probst warb in seiner Begrüßung engagiert für den Sandstein: "Es gibt noch was anderes als Trockenmauern." Andrea Otte, promovierte Kunsthistorikerin aus Osnabrück, führte kompetent und beredt in die Arbeiten beider Künstler ein. Dass man bei Frank Gillichs Skulpturen (in der hinteren Hälfte des Raumes) genau hinschauen müsse, um die innere Struktur ihrer Architektur zu verstehen, hatten viele der fast 100 Besucher schon vor der Eröffnung bemerkt. Man sah sie tief über die Kunstwerke gebeugt, um sich in die geometrischen Räume zu versenken. Besonders bei den kleinen Kuben wurde gerätselt, wie man die verwinkelte innere Struktur herstellen könne. Dr. Otte erklärte das Vorgehen: Es handelt sich um Betongüsse; ihre Hohlräume werden beim Gießen durch Styroporstücke freigehalten, nach der Härtung wird das Styropor entfernt. Einen interessanten Vertriebsweg hat sich Gillich für die Unikate ausgedacht: Man karn sie preisgünstig abonnieren. So bekommt man eine Reihe kleiner Blöcke, die nach außen abweisend wirken mögen, aber den Betrachter, der Einblick nimmt, in das Innenleben des Raumes hineinziehen. Michael Schüttrumpf, ein ehemaliger Ibbenbürener mit Kepler-Abi, lebt seit 14 Jahren in Osnabrück. Er kombiniert Stahl mit Sandstein. Dabei kommt es ihm nicht so sehr auf die Räumlichkeit an. Aber gerade in dem nüchtern-kalten Ausstellungsraum (Neonlicht, metallische Bodenplatten am Boden) kommen seine Arbeiten hervorragend zur Geltung. Hier bewährt sich die sehr durch- dachte Aufstellung der Werke. Einerseits korresponiert Schüttrumpfs rostiges Metall mit dem Bodenmetall der Halle und der Struktur des Sandsteins, andererseits kann man überraschende Gegensätze entdecken, wie Andrea Otte zu Bewusstsein bringt. Das Metall ist hier das Vergängliche und Wertlose, der Sandstein dagegen das Wertvolle und Dauerhafte. 245 Millionen Jahre alt ist er. Was bleibt von dem Kunstwerk am Ende des kommenden Jahrtausends? Die Ausstellung dauert noch vier Wochen, sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Schade, dass sie nicht leichter zugänglich ist; der Besuch würde sich auch für Schulklassen sehr lohnen. Text: Gerhardt, veröffentlicht IVZ 8.11.99
Ausstellung ist ein Spiel mit Assoziationen 26.9. bis 31.10.1999 Pietryga-Werke
im Kulturspeicher Erstmals weist ein großes Banner am Kulturzentrum Alte Sparkasse auf eine Kunstausstellung hin. Allein daran lässt sich schon die Bedeutung ermessen, die Stefan Pietryga für seine Heimatstadt hat. Eine weitere Premiere ist die enge Zusammenarbeit des Kunst- vereins und der Stadt Ibbenbüren mit dem noch recht jungen Verein "Kulturspeicher Dörenthe". Hier, in den einfachen Räumen des Speichers mit Blick auf die Kanalaue, wird die Aussagekraft seiner Arbeiten besonders deutlich, meint Pietryga. Die Korrespondenz zwischen Mensch und Natur ist ihm ein Hauptanliegen: das möchte er durch seine Arbeiten bewusst machen. Charakteristisches Symbol dafür ist ihm die Pappel - sie hat ihn auch weit über unsere Grenzen hinaus bekannt gemacht. Mal ist der Baum groß, auf seine wesentlichen Formmerkmale reduziert, aber blau; mal stehen auf dem Boden Serien kleiner weißer Gipsbäume als Steine des Anstoßes. Immer deutet sich hinter den Konturen der schlanken Pappel auch die Silhouette des Menschen an. Der Betrachter ist irri- tiert, soll es auch sein, und wird immer wieder dazu veranlasst, sich mit dem Problem Mensch und Natur auseinanderzusetzen. In die gleiche Richtung weist die eigens für Ibbenbüren angefertigte Aquarellserie "Das hockende Weib". Pietryga zeigt auf, wie der Mensch
Formen zu finden. Seit Jahrtausenden suchen wir in besonderen Naturformen entweder den Sitz der Götter oder wir vermenschlichen sie, wie in der hiesigen Legende. Diesen Fragen- komplex hob Thomas Hartmann in seiner fundierten un instruktiven Einführungsrede besonders hervor. In allen großen Kulturen finden wir heilige Bäume oder verehrungswürdige Orte, die wegen ihrer natürlichen Besonderheiten für heilig gehalten werden. Hartmann machte aber auch darauf aufmerksam, wie der Augenzeuge zeitgenössischer Kunst bereits ein Vorwissen in die Betrachtung mit einbringt: Ist zum Beispiel der Feuerlöscher, der neben der blauen Pappel an der Wand lehnt, Kunstobjekt, realer Feuerlöscher oder beides? Je nach den Erfahrungen des Einzelnen werden die Vorstellungen, die diese Ausstellung hervorruft, von Mensch zu Mensch verschieden sein. In den Grundfragen bleiben sie sich aber gleich. Pietryga, der von der hiesigen Umgebung, der Landschaft seiner Kindheit, stark geprägt wurde, spielt mit diesen Assoziationen. Wer das Glück hatte, den bei der Eröffnung anwesenden Künstler selbst zu sprechen, bekam persönliche Denkanstöße zu den ausgestellten Werken. "Manchen gefällt meine Gestaltungsweise, anderen nicht", meinte er launig. Recht hat er damit nur bedingt; denn in der modernen Kunst wird es selten komplette Zustimmung oder Ablehnung geben, dies trifft auch bei Pietrygas Exponaten in Dörenthe zu. Wer nicht zur Eröffnung kommen konnte, sollte die Zeit bis zum 31. Oktober nutzen, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen (geöffnet jeden Sonntag von 11 bis 18 Uhr). Es ist sicher im Sinne des Künstlers, den Ausstellungsbesuch mit einem Spaziergang in der Natur zu verbinden. Text: Sunhild Salascheck, veröffentlicht IVZ 27.09.99
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