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Ausstellungen 2010>>
Werke scheinen für rustikale Räume wie gemacht Ausstellung Dörenthe: Menschen - Tiere - Sensationen "Menschen - Tiere - Sensationen": Wer bei dieser Ankündigung an einen Zirkus denkt, liegt nur teilweise daneben. Bei der am Sonntag im Kulturspeicher Dörenthe eröffneten Ausstellung dieses Titels springen zwar keine Löwen durch Reifen, balanciert auch keine Tänzerin übers Hochseil, und doch findet der aufmerksame Betrachter überall in den Ausstellungsräumen große und kleine Dinge, die sich mit
rener Maler Michael Ilger - aufgrund einer Erkrankung leider nicht bei der Vernissage an- wesend - und der Osterkappelner Künstler und Designer Ulli Schnöckel in einer gemein- samen Ausstellung zu sehen. Viele ihrer Exponate wirken, als seien sie speziell für die rustikalen Räume des Kulturspeichers gemacht. Während Ilger in vielen seiner Werke vor allen Dingen die Farben sprechen lässt, sind es bei Schnöckel in erster Linie die Formen, die den Blick auf sich ziehen - und dabei Erstaunliches zutage fördern: Erst auf den zweiten Blick erkennt der Betrachter die Details. Mal ist es ein alter Teekessel, mal Teile ausrangierter Gartengeräte oder eine Vielzahl rostiger Hufeisen, die hier unkonventionell zu neuen Formen verschmolzen werden. "Es mangelt oft am Geld, wes- halb ich auf Recyclingprodukte zurückgreife" erklärt Ulli Schnöckel. Holz,Glas, Stein und Metall werden von ihm stets aufs Neue zu fantasievollen Gebilden zusammengefügt. Sein besonderes Faible gilt der Kugelform; immer wieder findet sich dieses Element in seinen Arbeiten. "Die Kugel an sich ist für mich ein gestaltendes Element in Ebenen" beschreibt es der sympathische Künstler, der sich die Grundlagen als Autodidakt selbst beigebracht hat. "Die Einfachheit in einer Form zu finden, die die Natur ihm vorgibt, das ist ihm das Wichtigste",
beschrieb es Ursula Nöh in ihrer Einführung zur Vernissage. Dabei verwies sie auch auf Schnöckels Leben mitten in der Natur und die damit verbundene Inspiration. Während Ulli Schnöckel sich in seinen Werken mit der Natur und ihren zum Teil erstaunlich perfekten Formen auseinandersetzt, ist die Arbeit von Michael Ilger nur indirekt von der Natur geprägt. 1950 in Ibbenbüren geboren, zog es Ilger nach dem Abitur zunächst zum Kunststudium nach Münster, anschließend lebte er viele Jahre in Hamburg, bevor er 1995 in seine Geburtsstadt zurückkehrte. Für Ilger war lange Zeit die Auseinandersetzung mit den "Vorgängern" von enormer Bedeutung, weshalb sich in seinen Werken auch An- klänge an verschiedene Expressionisten, Romantiker oder Künstler anderer Epochen finden. Diese Studien sind unter den rund 50 im Kulturspeicher gezeigten Exponaten ebenso zu finden wie figürliche Zeichnungen (zum Teil coloriert), abstrakte Werke oder ein noch unvollendetes Werk - "Die Kardinäle" -, das nach einem Foto entstand. Michael Ilger arbeite meist nach dem Schichtenprinzip, das viel Zeit in Anspruch nimmt, erklärt Ursula Nöh. Nach- dem er lange Zeit mit einer Öl-Acryl-Mischtechnik auf Papier gearbeitet habe, widme er sich derzeit der reinen Ölmalerei, so Nöh. "Michael Ilger spielt virtuos mit Farben" beschreibt Ursula Nöh das Besondere an den teilweise recht kleinen, teilweise aber auch sehr großformatigen Bildern. Einzigartig ist dabei das Werk "Protokoll" aus dem Jahr 1988: "In 14 Minuten ist ein unglaublicher Rausch von Formen und Farben entstanden" resümiert Ursula Nöh. Noch bis zum 12. Dezember ist die Ausstellung, die von einem wunderbaren Sich-Ergänzen der zwei- und der dreidimensionalen Kunst lebt, jeweils sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Text und Bilder:
Claudia Ludewig, veröffentlicht IVZ 16.11.2010
Kunst ohne Grenzen Ausstellung "Herbstgäste" in Ibbenbüren, Dörenthe und Mettingen eröffnet Zum Kunstmarathon begrüßte Bernhard Kötter vom Förderverein Mettinger Schultenhof die vielen Gäste, die am Sonntag bei spätsommer- lichem Wetter zum Kunstspeicher gekommen waren. Marathon deshalb, weil im Tüöttendorf lediglich ein Teil der aktuellen Ausstellung "Herbstgäste" eröffnet wurde. Fortsetzungen folgten am späteren Nachmittag in der Alten Honigfabrik in Ibbenbüren und am frühen Abend im Kulturspeicher Dörenthe. Seit drei Jahren arbeiteten der Mettinger Verein, der Kunstverein Ibbenbüren und der Förderverein Kultur- speicher Dörenthe zusammen und haben bereits Aufsehen erregende Ausstellungen organisiert und sich weit über den Kreis Steinfurt hinaus einen Namen gemacht, stellten viele Gäste am Sonntag einhellig fest. Der Tag, an dem Ost und West den 20. Jahrestag der Deutschen Einheit feierten, war mit Bedacht gewählt, denn die elf Künstler, die ihre Werke bis Ende Oktober an den drei Ausstellungs- orten präsentieren, sind Mitglieder der Künstlergemeinschaft der Hansestadt Wismar in Mecklenburg-Vorpommern. Deren Bürgermeister Thomas Beyer hatte die Schirmherrschaft
für das Kunstprojekt übernommen und es sich nehmen lassen, die Besucher in Mettingen, Ibbenbüren und Dörenthe persönlich zu begrüßen. Die Ausstellung "Herbstgäste" sei ein Beispiel dafür, dass etwas im Fluss sei. "Sie ist ein kleiner Baustein dafür, dass wir uns aufeinander zu bewegen", freute er sich. Wismar habe durch die Deutsche Einheit unglaublich profitiert, sei von einer grauen Maus zu einer wunderschönen Stadt geworden. Es lohne sich, sie zu besuchen, war er sicher. Sie wollten "Ein- mischer" bleiben, und es sei erstaunlich, dass Menschen mit so vielen Eigenheiten beieinander geblieben seien, lobte Beyer die Frauen und Männer der Künstlergemeinschaft, die sich vor gut 20 Jahren gegründet hatte. Angelika John, Rainer Kessel, Viola Kröger, Britta Matthies, Dörte Michaelis, Wolf-Dieter Pfennig, Gerhard Schacht, Klaus-D. Steinberg, Susanne Tonn, Horst Wendt und Karin Zimmermann sind so verschieden wie die Werke, die sie aus Wismar mitgebracht haben. Bilder in Acryl, Siebdruck, Papiercollagen, Skulpturen, Keramik, Schmuck und vieles mehr - Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausstellung und angenehme Begegnungen, die
und Besuchern ans Herz legte. Auch Mettingens stellvertretender Bürgermeister Franz-Josef Bresch, Heinz Steingröver und Angelika Wedderhoff, Ibbenbürens Bürgermeister und seine erste Stellvertreterin, lobten das Engagement der Vereine. "Was Sie auf die Beine gestellt haben, kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen", stellte Steingröver aner- kennend fest. Sie fände es schön, wenn Künstler aus dem Tecklenburger Land auch einmal in Wismar ausstellen würden, betonte Wedderhoff, die die Kooperation als Bereicherung für alle sieht. Fünf Wismarer Künstler waren vor Ort und freuten sich über die freundliche Auf- nahme und die überwältigende Gastfreundschaft im Tecklenburger Land. Ein dickes Danke- schön ging an die drei Vereine, die sich um den Transport der Werke gekümmert und diese auch gehängt und gestellt hatten. "Ich hoffe, wir bleiben weiter in Verbindung", wünschte sich Britta Matthies, auch im Namen ihrer Kollegen. Die Vertreter der Vereine - Bernhard Kötter (Mettingen), Sonja von Gostomski (Kunstverein) und Dr. Gerd Overmeyer (Dörenthe) - waren froh, nach langer Planung und Vorbereitung die Ausstellung an drei Standorten endlich präsentieren zu können, und luden alle Interessierten ein, sich in den kommenden Wochen auf die Kunst ohne Grenzen einzulassen. Text und Bilder Dietlind Ellerich, veröffentlicht IVZ 06.10.10
Alleine Quadrate aneinander zu nähen muss ansteckend sein Rund 600 Besucher erleben im
Kulturspeicher die Mosaikquilterinnen Bunte Fahnen wehten am Samstag und Sonntag zur Begrüßung der vielen Gäste am Kulturspeicher in Dörenthe. Die mehr als 600 Besucher kamen aus dem Tecklenburger Land, aber auch erfahrene Patchworkerinnen aus Nürnberg, Hamburg oder Coesfeld reisten an, um sich die dritte Ausstellung der Mosaikquilterinnen aus Laggenbeck anzusehen. Die elf Frauen hatten in den vergangenen vier Jahren wieder fleißig genäht, um dem
Fachpublikum und anderen Interessierten eine farbenfrohe, phantasiereiche
Schau zu bieten. Am Samstag hatten Pfarrerin Irmtraud Rickert aus Laggenbeck und Monika Balter vom Kulturspeicher die Ausstellung eröffnet. Beim Patchwork sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Decken, Wandbehänge, Kissen, Taschen oder Topflappen, exakte, geometrische Formen oder freie Gestaltungen, "es scheint, als gäbe es gar nicht so viele Dinge, die man nicht patchen oder quilten kann", so Rickert begeistert. Neben den vielen Einzelarbeiten der Frauen gehörten die in diesem Jahr fertiggestellten "Round-Robins" zu den Highlights der Ausstellung. "Eine Frau fängt mit einem Stückchen an, packt dann ihre Stoffe in eine Kiste und gibt den Quilt immer weiter. Jede Patcherin der Gruppe näht nach bestimmten Vorgaben weiter. So erhält am Schluss jede ein eigenes Stück, an dem doch alle mitgewirkt haben", erklärt Elke Kemme. Verschiedene Aussteller und Verkaufsstände rundeten das Programm ab. Für die Aktion "Bestickte Quadrate" aus Afghanistan boten die Mosaikquilterinnen kleine handgestickte Kunstwerke zum Verkauf an. Damit unterstützen sie Frauen und Mädchen im Kriegsgebiet, die durch den Erlös für ihre Familien sorgen können. "Wir freuen uns, dass wir über 100 Quadrate verkaufen konnten und damit ein tolles Projekt fördern können", so Carolin Brömmelkamp. Wer bei den vielen kreativen Ausstellungsstücken Lust bekam, auch einmal einen kleinen Quilt zu nähen, konnte gleich loslegen: "Stoffe und Patchwork" aus Ibbenbüren verkaufte Stoffe und Zubehör. Passende Hüte für jede
Gelegenheit gab es bei Ana Ehling aus Münster, farbenfrohe und phantasievolle Bilder gab es am Stand von Dietlind Seeburg aus Ostbevern zu bestaunen und Dagmar Phath-Dirkes bot Puppen und Engel von Tilda an. Viele Besucher ließen sich anstecken und nahmen die Möglichkeit, sich beim "Ninepatch" an kleinen Stoffquadraten zu versuchen, gerne an. Nähmaschinen und Stoffe standen bereit, sodass Männer, Frauen und Kinder kleine Quadrate vernähen durften. Daraus soll nun eine große Decke entstehen, die sicherlich bei der nächsten Ausstellung der Mosaikquilterinnen zu sehen seien wird. Am Sonntagabend wurde von den Verantwortlichen Resümee gezogen: "Durch die vielen auswärtigen Besucher war die Veranstaltung sicherlich eine große Aufwertung für
unsere Einrichtung.", so Karl-Heinz Käsekamp vom Kulturspeicher Dörenthe. Bild und Text: Anna-Lena Himstedt, veröffentlicht IVZ 14.09.10
Brücken als Verkehrsweg und verbindendes Symbol 14.08.2010 Ausstellung "Brücken" im Kultuspeicher Dörenthe eröffnet Kaum denkbar, dass es jemals gelänge,
ohne die Überquerung einer Brücke durchs Leben zu kommen. Sie verbindet Kontinente und Menschen; im über- tragenen Sinn steht sie für die Überwindung von trennenden oder auch störenden Elementen. Besonders anziehend sind die spektakulären Bau- werke wie die Golden Gate Bridge in San Francisco, aber auch die romantisch gelegene Überquerung eines Bächleins kann die Fantasie der Betrachter anregen. Auf große Resonanz stieß am Samstag- abend die Eröffnung einer Ausstellung im Kultur- speicher Dörenthe. Der Fotograf Horst Gilles aus Lengerich und Mitglieder des Dörenther Speichermalkreises haben das Thema "Brücken" aus unterschiedlicher, teils ungewöhnlicher Sicht beleuchtet. Bei der Vernissage am Samstagabend ging Dr. Gerd Overmeyer, der Vorsitzende des Fördervereins Kulturspeicher Dörenthe, auf die symbolträchtige Bedeutung von Brücken ein. Sie tauchen in Wappen auf, Päpste tragen den Namen "Pontifex maxi- mus" (oberster Brückenbauer) und bekannte Lieder nehmen darauf Bezug. Brücken sind nicht nur aus Stein gebaut, wie Zahnbrücken und Eselsbrücken beweisen. Ein kreativer Fotograf findet bei seinen Streifzügen Details und ungewöhnliche Blickwinkel an dem von ihm angepeilten Objekt der Begierde. Dabei entstehen oft Bilder mit besonderer Ausstrahlung, die dem Betrachter das Gefühl vermitteln, ein bekanntes Bauwerk ganz neu zu entdecken. Horst Gilles hat bei seinen Reisen immer wieder schöne Beispiele der Brückenbaukunst aus vielen Jahrhunderten porträtiert. Dabei bediente er sich unterschiedlicher Techniken. Einige der in Dörenthe ausgestellten Bilder wurden noch mit einer analogen Kamera aufgenommen, aber auch die digitale Technik beherrscht Gilles. Seine besondere Liebe gilt der Schwarz-Weiß-Fotografie, seitdem er vor etwa 40 Jahren mit dem Fotografieren begann. Er experimentiert mit der Infrarottechnik und lässt damit seine Bilder noch eindrucksvoller strahlen.
verfallen. Berühmte Beispiele sind die Bilder der LangloisBrücke von Vincent van Gogh oder der japanischen Brücke in Monets Garten von Giverny. Der Ibbenbürener Malkreis, dessen Domizil seit zehn Jahren der Kulturspeicher in Dörenthe ist, hat sich ebenfalls seit einiger Zeit mit verschiedenen Techniken und Sichtweisen diesem weltumspannenden Thema gewidmet. Hedwig Lampe hat mit der Göltzschtalbrücke im Vogtland die größte Ziegelsteinbrücke der Welt auf die Leinwand gebannt. Christel Dohmen stellt dagegen ein abstraktes Werk in Spachteltechnik aus. Mit silberglänzenden Metallbändern sind zwei Bilder miteinander verbunden, die in Farben und Strukturen miteinander korrespondieren und sehr harmonisch wirken. Außerdem stellen in Dörenthe die Künstlerinnen Renate Wrocklage, Brigitte Riedel, Anne Lindenschmidt, Bärbel Steinigeweg, Inge Kohlpoth, und Monika Kröger aus. Renate Wrocklage hat die Gruppe ins Leben gerufen. "Wir laden zu unseren Treffen auch Dozenten ein, die Maltech- niken vermitteln", erzählt sie. Neue Mitglieder sind willkommen, sie erhalten unter 0172/6437353 weitere Informationen. Die Ausstellung ist noch bis zum 5.
September an jedem Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Text und Fotos: Brigitte Striehn, veröffentlicht IVZ 16.08.2010
Gemeinschaftsausstellung "Ortswechsel" Kulturspeicher Dörenthe - Kunstspeicher Mettingen
Wanderungen für mehr Entdeckungen 12.6.2010 Ausstellung "Ortswechsel" im Kulturspeicher Dörenthe Die Funny Red Line, die die Kunstvereine in Ibbenbüren und Mettingen symbolisch miteinander verbindet, ist seit dem Samstag wieder einmal zur Transitstrecke für Kunstwerke geworden. Während im Rahmen der Doppel-Doppelausstellung "Ortswechsel" zwei Ibbenbürener Künstlerinnen ihre Werke im Mettinger Kunstspeicher präsentieren, hat der Dörenther Kulturspeicher zweifachen Besuch aus Mettingen. Dort am Kanal kann man bis zum 11. Juli, je sonntags von 14 bis 18 Uhr, Werke von Eduard Berms-Batas und Renate Pfennig kennen- lernen. Zur Vernissage am Samstagnachmittag ließen die Mettinger Künstler sich von Bernhard Kötter, Vorstandsmitglied des Förder- vereins Schultenhof, begleiten, der den zahlreichen Besuchern die so unterschiedlichen Persönlichkeiten und Werke vorstellte. Im vorderen, gradlinig-betongrauen Ausstellungsraum erläuterte er Renate Pfennigs "Grenzräume". Geometrische Figuren bilden die Grund- lage der zumeist als farbkräftige Acrylbilder auf Leinwand oder Bütten gestalteten Werke. Das gibt den Bildern Klarheit. Aber das eigent- liche "Geschehen" spielt sich in den Berührungszonen ab. Dort überlagern sich die Farbflächen, mischen sich, schieben sich als Lasuren übereinander oder ergeben neue, eigene Räume. So kommt eine Tiefe zustande, wie sie Perspektive oder Licht hervorrufen könnten. Die diplomierte Grafik-Designerin Pfennig trägt ihre Farbe, auch mal Aquarell oder Kreide, mit unterschiedlichem Werkzeug auf, mit Pinsel, Schwamm, Spachtel oder der Hand. Eine endgültige Planung gibt es so nicht, es bleibt immer Platz für Spontanität. Und es bleibt auch Platz für den Betrachter, der in diesen Grenzräumen "wandern" kann. Die "Lebenslinien" von Eduard Berms-Batas im charaktervolleren hinteren Ausstellungsraum bilden einen reizvollen Kontrast zu den geometrischen Strukturen von Pfennig. Sie sind einerseits eine Art Tagebuch eines prallen Lebens mit weiten Reisen und vielfältigen beruflichen Erfahrungen als Architekt. Exakte Uhrzeit der Fertigstellung, Wetter und andere Daten erscheinen im Titel, die Materialien, Federn, Fundstücke menschlicher Tätigkeiten und immer wieder Sand aus allen Teilen der Erde sind Fixpunkte der Erinnerung. Die Formen aber, die sich ergeben, die Zahlen und Zeichen, die sich immer wieder finden, sind unmittelbarer Ausdruck von Gefühlen. Da steht Berms-Batas in der Tradition des Informel. Die Rhythmen seiner Bilder, der Fluss der Linien, die sichere Komposition zeigen jedoch, wie sehr die Gestaltungsfähigkeit, der Gestaltungswille und die künstlerische Erfahrung fester Bestandteil der sich äußernden Persönlichkeit sind. Und so entstehen Bilder von großer Ästhetik, die weit über das Persönliche hinausgehen.So geht die Gruppe der Werke in dem einen Raum des Speichers vom Allgemeingültigen der Geometrie zum Individuellen der Grenzraumerfahrung, in dem anderen vom unmittelbar Persönlichen zum Offenen für jeden Betrachter. Man sollte sich auf ausgedehnte Wanderungen zwischen den beiden Bildgruppen einstellen, um im Vergleich mehr darin zu entdecken. Sichtwechsel und Neuland im Kunstspeicher Petra Engelbert und Roswitha Massing stellen ihre Werke auf dem Schultenhof aus "Ortswechel" hieß es am Samstagabend für die Vernissage-Besucher der Ausstellung mit Werken von Petra Engelbert und Roswitha Massing im Kunstspeicher des Schultenhofes. Denn nicht nur die Werke der beiden Künstlerinnen wechselten aus Ibbenbüren ins Tüöttendorf, sondern umgekehrt in einem zuvor eröffneten zweiten Teil der Ausstellung auch Arbeiten der Mettinger Künstler Renate Pfennig und Eduard BermsBatas nach Dörenthe in den dortigen Kulturspeicher. Während in Dörenthe die Gegensätze der Werke durch räumliche Trennung betont werden, wurden die Bilder im Kunstspeicher bewusst direkt miteinander konfrontiert. Das macht es allerdings nicht einfach, das Persönliche der beiden Malerinnen zu erkennen. Gewisse Ähnlichkeiten gibt es ja zudem in ihrem künstlerischen Tun. Sowohl Petra Engelbert als auch Roswitha Massing betätigen sich in der Kunsttherapie, beide unterrichten auch im Bereich Kunst, beide bilden sich fortlaufend durch Besuche von Kursen und Akademien selbst weiter. "Seit heute aber für immer weiß ich: Die Erde ist wirklich warm" heißt es in einem Gedicht der österreichischen Dichterin und Malerin Christine Lavant (1915-1973), dem Massing eine Serie widmet, Das Gedicht liefert aber auch den Titel ihres Ausstellungsbeitrags: Sichtwechsel. Das ganze Gedicht findet sich in der Aus- stellung. Zur Vernissage wurde es von Monika Haselon, Vorstandsmitglied des Fördervereins des Kulturspeichers Dörenthe, in ihrer Ein- führung rezitiert. Lavant ist in ihrem von Krankheiten geprägten Leben immer wieder in neue Sichtweisen gezwungen worden, hat diesen aber Positives abgewonnen, vor allem Vertiefungen ihres künstlerischen Ausdrucks. Eindrucksvoll zeigen einige Bilder, wie Roswitha Massing diesen zweimaligen Sichtwechsel umsetzt. Da gibt es vier Bilder, unten neben dem Kamin, die wie aus Krankheit und Leid entstanden wirken. Dunkel, bedrohlich, aber auch faszinierend in den Kontrasten. Ihren Widerpart bildet, an der Wand diagonal gegenüber, ein helles, aufwärts gerichtetes Gemälde, das die Befreiung vom Erdschweren auszudrücken scheint. Wie der Ausgangspunkt von Massings Bildwelt steht ein Werk am Anfang ihres Ausstellungsteils, das ,,1945" heißt und ein blondes Mädchen zeigt, das mit seinen Blumen in der Hand auf jemanden zuzugehen scheint, aber sehr sehr allein wirkt. Hier hat der Betrachter Gelegenheit, seinerseits Sichtwechsel zu versuchen. Petra Engelbert nennt ihren Ausstellungsteil "Neuland", auch der Titel des überwiegenden Teils ihrer ge- zeigten Arbeiten. Sie verwendet neben Ölfarben und gelegentlich Graphit auch ungewöhnliche Stoffe zum Malen: Laub, Blattgold, Papier, Sand, Blumen und allerhand andere Naturmaterialien. Die betreten, aber bilden auch Neuland, Landschaften, die wie eine Fata Morgana in den sie umgebenden Farbflächen hervorleuchten. In den kleineren Stücken erscheinen auch Figuren, Gesichter, Zeichen Formen und Flächen, die auseinanderfallen und sich wieder ordnen. Damit folgen sie einer der Arbeitstechniken von Petra Engelbert. Sie löst schon mal die Materialien von ihrem ja farbigen Untergrund und ordnet sie darauf neu an. Die dabei entstehenden Verluste erweisen sich als Gewinn für die Transparenz, erzeugen ein Flirren oder eine zusätzliche Tiefe. Text: Wilm Froese, veröffentlicht IVZ 16. Juni 2010
Farben gibt es nur im Licht 25.4.2010 Kunstausstellung im Kulturspeicher Dörenthe eröffnet Im einen Raum die Bilder, im anderen die Flut, so erklärt sich der Name der Ausstellung im Kulturspeicher Dörenthe, die Sonntag eröffnet wurde: "Bilder und Flut" von Gabriele Staarmann. Zahlreiche Kunstfreunde ließen sich von Monika HaseIon und von der Künstlerin selbst in die Mischung aus Lichtfarben und körperlichen Farben einführen. Die Veranstaltung begann mit der Flut, einer raumfüllenden Installation eines durch eine Windmaschine in Wellenbewegung versetzten Stoffbahn, die, mit geheimnisvollem blauen Licht angestrahlt, wie Flut- wellen auf das Publikum zuzurollen schien. Später tobten Kinder in diesen Wogen herum und eroberten sich das Kunstwerk auf ihre Weise. Farben
sieht man nur im Licht, erläuterte die in Georgsmarienhütte geborene und jetzt in Hamburg lebende Künstlerin und KunstwissenschaftIerin. Daher war es apart, dass Begrüßung und Erklärung im Dunkeln stattfanden, weil die Windmaschine ausgestellt werden musste und dadurch die erhellen- den Lichtreflexionen fehlten. Wenn man sich daher für kurze Zeit nicht auf die Werke konzentrieren konnte, war das der Aufnahme des Wortes eher förderlich. Monika HaseIon wies darauf hin, dass Staarmann sich in ihren Produktionen selbst ganz zurücknimmt. Keine individuelle Handschrift soll verhindern, dass die Farbe selbstständig wird. Als eigene Erfahrung mit dieser Art der Malerei erzählte die zweite Vorsitzende des Fördervereins des Kulturspeichers, sie gehe immer heiterer aus einer Begegnung mit Staarmanns Bildern, als sie vorher war, und sie könne sich besonders stark an die Räume erinnern, in denen sie diese Bilder jeweils gesehen habe. Die Malerin erklärte ihre Vorliebe für Farben, denen ein wissenschaftliches Interesse zugrunde liege. Was assoziiert man mit Rot, Grün und anderen Farben? Welche Symbolwerte, welche emotionalen Wirkungen haben sie, abhängig oder unabhängig von Kulturen. Sie verfolgte die Geschichte der Ablösung der Farbe aus der dienenden Rolle von Vermeer über die Impressionisten und den Pointillismus bis zum Konstruktivismus. Reine Lichtinstallationen wie ihre "Flut" seien inzwischen eine eigene Gattung geworden. Und an ihren Werken, zu denen außer Wandbildern auch Möbel in der Bauhaustradition in neuer Farbgebung gehören, interessiere sie das Zusammenspiel in Vermischung und Kontrast. Leider wirkt der Großteil der Werke tatsächlich recht theoretisch. Großformatige Tafeln mit sich kreuzenden farbigen Schwüngen und ihren Farb- mischungen, Ballonformationen mit kleinen Schnittmengen, Rechtecke oder "Schottenmuster", manche aus mehreren Rahmen zu- sammengesetzt, das erschwert den Zugang. Die Emotionalität der reinen Farbe wird in der Fülle der Vermischungen zu beliebig. Ihre Interaktionen überbrücken teilweise kaum
den freien Raum dazwischen. geweckt hätte, die schwer zu erfüllen sind, hätte man sich leichter auf die Bilder einlassen können. Aber da ist ja noch die blaue Flut mit ihrem Wellenspiel, das auch dann für sich einnimmt, wenn man nicht darin herumtanzt. Die Ausstellung ist bis zum 16. Mai sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Text: Wilm Froese, veröffentlicht IVZ 28.04.10
Malen wie Joan Miró Kindergartenkinder präsentieren
Ausstellung im Kulturspeicher "Pinsel, Klecks und Malerei - mit Kunst erlebt man allerlei". Unter diesem Motto eröffneten die Jungen und Mädchen des Markus-Kindergartens am Donnerstagnachmittag ihre erste eigene Kunstausstellung. Für die Vernissage hatte der Förderverein des Kulturspeichers seine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Kindergartenleiterin Kerstin Runde begrüßte
sich sichtlich darauf, die Werke der kleinen Künstler für die Ausstellung freizugeben. Die Idee zur Ausstellung wurde durch das Projekt "Kreiselkunst" ins Leben gerufen. Es befasst sich mit der optischen und künstlerischen Ausgestaltung von Verkehrskreiseln. Im Zuge dieser Aktionen trafen sich in den vergange- nen zwei Jahren Kunststudenten im evangelischen Familienzentrum Markus- Kindergarten, um ihre Entwürfe und Kreationen für die Verschönerung der Kreisel auszugestalten. Mehr oder weniger spontan entwickelte sich aus dieser Arbeit die Idee, die Kindergartenkinder an die Kunst heranzuführen. Unter fachlicher Anleitung und fachkundiger Betreuung entstanden zahlreiche kreative Werke zu Kurzprojekten wie "Malen wie Joan Miró, Hundertwasser, van Goch",
Selbstbildnisse und Fotoprojekte. Die Kinder wurden in
Techniken wie Gipsen, Pappmaschee, Papierschöpfen oder Nass-in-Nass-Malerei einge- bunden. Gemeinschaftswerke wie der Königsstuhl, der Paradiesvogel und zahl- reiche Collagen zieren die Wände der Ausstellung ebenso wie mehr als 50 weitere Kreativwerke der Kinder. Ziel des Projektes sei in erster Linie die Förderung von Kreativität und Wahrnehmung der Kinder, erklärte Kerstin Runde. Über eine längere Zeit setzten sich die Kinder sowohl mit den Künstlern als auch deren Werken auseinander. Im weiteren Sinne finde auch die Religion ihren Platz in dem Kunstprojekt. Besonders die Schöpfung sei stark einbezogen worden. Die Ausstellung ist bis Sonntag kostenlos im Kulturspeicher zu sehen. Infos unter der Telefonnummer 05455/242 oder im Internet auf www.kulturspeicher.net. Text und Bilder: Daniel Döhring veröffentlicht IVZ 20.03.2010
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