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Ausstellungen 2005 >>

Meditative Spaziergänge mit den Augen    18.09. bis 23.10.05

"Wortspeicher" - Wolfgang Vetten stellt im Kulturspeicher aus

Auf den ersten Blick erscheint die Ausstellung "Wortspeicher", die am Samstagnachmittag im Kulturspeicher Dörenthe eröffnet wurde, nur

zu ein paar Minuten Aufenthalt einzuladen. Man hat bei den mit fortlaufenden Worten beschriebenen Fahnen im Zentrum, bei den über-

einander liegenden Textgeschichten der "Betrachtungen", selbst bei den Schwungrhythmen die Assoziation von Kalligraphie und Gebets-

streifen. Doch der Künstler Wolfgang Vetten, dessen mit 15 Exponaten recht kleine Werkschau noch bis zum 23. Oktober zu sehen sein

wird, besteht darauf, dass seine Rhythmen und Wortspeicher ebenso Gemälde sind wie die in vielen dünnen Aufträgen aquarellierten Farb-

flächen. Tatsächlich haben die Blätter - Vetten malt ausschließlich auf Papier - alle den Aufbau eines klassischen Tafelbildes und verraten

die akademische Malerausbildung des Düsseldorfers. Nach der Begrüßung durch Jürgen Hecker, der damit gleichzeitig für den Förder-

verein Kulturspeicher das Hafenfest 2005 eröffnete, und einigen Worten von Dr. Annette Kleinert für den mitveranstaltenden Kunstverein

Ibbenbüren, leitete Dr. Gabriele Uelsberg vom Rheinischen Landesmuseum Bonn in ihrem Einführungsvortrag die leider nicht allzu zahl-

reichen Besucher vom Ergebnis über den Schaffensprozess zum

Maler selbst. Duftig und leicht nannte sie die Bilder, auch die im

Herbstlicht recht dunkel erscheinenden Farbschichten, grüblerisch

und meditativ den Maler. Die Texte, sieben Gedichte von Klaus 

Hütt in einer Kassette oder das Hohelied Salomons in zwei in

geheimnisvollen Blau- und Rottönen schillernden Bildern, aber 

auch die im Schaffensvorgang aus Radiosendungen in den Kopf

dringenden Schlüsselwörter, werden aufgeschrieben, immer wieder,

übereinander, werden so verdichtet, dass schließlich das einzelne

Wort nicht mehr zu lesen ist. Aus den Wörtern entsteht so in sehr

fleißiger, immer neu wieder ansetzender Arbeit ein Bild. Genau so

entstehen Farbflächen, aus unendlichen Schichten heller, zarter

Farben, die sich ebenfalls verdichten zu einem inneren Spektrum. 

Dr. Uelsberg gestand, dass sie die Einladungskarte zur Ausstellung 

nicht gleich erkannt hatte. Denn die 21 x 10 cm großen Kartons sind 

Original-Aquarelle, geschnitten aus einem Wortspeicherbild und so

jedes ein Einzelstück. In der Regel ist keines der Wörter zu ent-

schlüsseln, aber es gibt das Wissen, dass sie da sind. So kommen

Vetterns Bilder doch wieder in die Nähe kontemplativer Gebets-

streifen, etwa in den tibetischen Gebetsmühlen: Man kann die 

Zeichen nicht sehen, aber man kennt den Text und verinnerlicht doch seine Bedeutung, ob "om mani padme hum" (Tibet) oder "Ach,

küsste er mich mit dem Kusse seines Mundes" (Das Hohelied). Auch Vettens reine, also nicht an Texte gebundene Rhythmen, mit

Graphit oder Ölkreide auf Bütten festgehalten, fordern zu meditativen Sparziergängen mit den Augen auf. Ob es gelingen kann, den

Rhythmus körperlich aufzunehmen, müsste man selbst erproben. Aber auch mit anderen Zugangsweisen erweist sich der Schluss 

eines der als Material verwandten Gedichte von Klaus Hütt als wahr: "Ein Blatt Papier ist eine Spur, die führt dahin, woher sie kam".

Text: Wilm Froese veröffentlicht IVZ 20.09.05

 

 

Kunst trifft Heimatverein am Kanal    29.05. bis 11.06.05

Ausstellung "dreifelderweit" im Kulturspeicher mit großem Einsatz eröffnet

Das kräftige Auftreten von rund 40 Paar Holzschuhen brachte am Sonntagnachmittag den Boden des Kulturspeichers in Dörenthe zum 

Beben: Zur Vernissage der Ausstellung "dreifelderweit" hatte der Künstler Andreas Schwarzkopf aus Bremen die Volkstanzgruppe der

KAB Laggenbeck um Mithilfe bei der Umsetzung seiner Idee ge-

beten. Dabei tanzten die Volkstänzer in ihrer traditionellen Tracht

zunächst im oberen Stockwerk des Speichers. Während der Tänze

sammelten sie "Samenkapseln", aus Gips gefertigte Halbkugeln 

mit Buchstaben auf der Unterseite, ein und trugen diese dann in

Körben nach draußen. Die Kugeln hatte Andreas Schwarzkopf 

zuvor aus Gips gegossen. Friederike Brandherm und Ulrike

Käsekamp hatten extra für die "Kapseln" rund 120 Kissen genäht.

Am Hafenbecken legten die Tänzer die Kapseln während weiterer 

Choreografien auf ein "Floß", welches wie von magischer Hand, 

aber tatsächlich von DLRG-Tauchern gezogen, eine Runde durch 

den Kanal drehte. Zurück im oberen Stock des Speichers, verfolgten

dann viele Zuschauer das Aufdecken der Buchstaben-Kapseln. Es 

entstand das Gedicht "Fadensonne" von Paul Celan. Künstler 

Andreas Schwarzkopf zeigte sich von der Umsetzung durch die Volkstänzer begeistert: "Ich hatte es vorher auch noch nicht gesehen, 

war genau so gespannt wie das Publikum. Ich bin überwältigt von der tollen Umsetzung meiner Idee." mehr >

 

 

In Zeit und Raum mit dem Auge spazieren gehen    17.04. bis 07.05.05

Ausstellung im Kulturspeicher eröffnet

Eine Schütte Heu liegt auf dem Boden, Bahnen von Pergamentpapier, in zarten Farben und mit geheimnisvollen Zeichen bemalt, hängen 

darüber herab. Auf der Erde liegt ein großer Streifen Papier mit 204 kleinen quadratischen Zetteln, anscheinend voller Bleistiftkritzeleien.

Auf dem Tisch findet man Skizzenbücher mit kurzen Texten zur Kunst. So erscheint ein Raum des Kulturspeichers in Dörenthe als Aus-

stellung mit Werken oder besser einem Werk von Gerda Wantia. Im anderen Raum, in dem sich am Sonntag morgen zahlreiche Besucher

zu Vernissage eingefunden hatten, wiederholen sich Papierbahnen und Zettel, doch an den Wänden überraschen Acrylbilder, zweifellos

verwandt mit den Skizzen, aber von ganz anderer Wirkung. Alles wird zusammengehalten von dem merkwürdigen Begriff "Feuchtwiesen",

alles ist Teil eines einigen Vorhabens. Gerda Wantia, die in Hörstel wohnt, widmete sich in Studium und Arbeit der Kunst, seit sie ihren

Beruf aufgeben musste. Die IVZ berichtete am Dienstag ausführlich darüber. In Dörenthe zeigt sie das Ergebnis eines einjährigen Projek-

tes. Mehrmals in jede Woche hat sie in den Feuchtwiesen bei Saerbeck Eindrücke und Material gesammelt, hat Wirkungen und Ver-

änderungen in sich aufgenommen und auf den kleinen Zetteln oder in Skizzen protokolliert. Nicht ausformuliert in Worten, sondern in einer

dort erst entwickelten Zeichensprache. "Gerda malt den Gesang der Amsel und das Fahren des Traktors," sagt Petra van der Most-Keuper

in ihrer Einführung. Sogar Gerüche und Gefühle möchte sie in einer eigenen Sprache wiedergeben, und gern würde sie verstanden werden.

Sie notierte Gefühle und nahm Abdrücke vom Boden samt der Pflanzen, von Holz und anderem Material. Sie konturierte vergleichsweise

konservativ Formen von Kühen und Bäumen und probierte Farbeindrücke wiederzugeben. All das sieht man in der Dörenther Ausstellung.

Ob die großen Bilder in Acryl nun das Endergebnis dieses intensiven Sammelns sind oder ob die Sammlung selber das Kunstwerk ist

und die Bilder nur der Prachtkatalog, ist dem Betrachter überlassen. Gerda Wantia versucht in ihnen die Quadratur des Kreises, indem sie

unmittelbare Malerei und geistige Durchdringung des Themas in einem Tafelbild zusammenführen will. Es entstehen Landschaftsbilder 

einer neuen Art, in denen man in Zeit und Raum mit dem Auge von Station zu Station spazieren gehen kann. Vollends phantastisch wäre

es, wenn man dabei mit allen Sinnen die Botschaften der Bilder entschlüsseln könnte.

Text: Wilm Froese, veröffentlicht IVZ19.04.05

 

Mit den Farben im Dialog 

Gerda Wantia stellt vom 17. April bis 7. Mai im Kulturspeicher Dörenthe aus

Es soll mehr sein als ein Hobby: Nachdem die Diplom-Agrar-Ingenieurin und Tierheilpraktikerin Gerda Wantia aus gesundheitlichen

Gründen ihrem Beruf nicht mehr nachgehen konnte, widmet sie sich ganz der Kunst. Verschiedene Kurse an der Universität Osnabrück

bestärkten sie, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen: "Ich habe mich an der Kunstakademie in Enschede beworben und die Auf-

nahmeprüfung bestanden", so die 50-Jährige, die es einfach "spannend findet, eine eigene Bildsprache zu entwickeln." Ein Studium, da 

ist sie sich sicher, kann ihr dabei den Weg ebnen und sie unterstützen. Anfangs hat Gerda Wantia gedacht, sie kann nicht malen: 

"Bestimmt auch wegen meiner Erziehung, ich komme aus einer ländlichen Gegend. Meine Eltern würden das, was ich mache, eher

kritisch sehen. Sie sähen die Kunst nicht als richtige, handfest Arbeit." Aber was für Gerda Wantia anfangs nur entspannend war, ist

jetzt eine richtige Aufgabe geworden: "Durch Kontakte mit anderen Künstlern habe ich festgestellt, dass auch meine Zeichnungen okay

sind. Das war ein richtiger Aha-Effekt." Der Tag beginnt für die Künstlerin morgens um 8 Uhr. "Ich male jeden Tag." Pro Jahr will Wantia

ein Thema erarbeiten. Ihr erstes war "Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau!" Von verschiedenen Seiten versucht Wantia, die Themen zu

beleuchten: "Ich will dem Thema auf die Spur kommen." Logisch, Ziel ihrer Bilder ist, etwas zum Ausdruck zu bringen. "Ich möchte Infor-

mationen geben!" Das Schönste wäre, wenn die Betrachter diese Sprache verstehen. "Aber die Menschen müssen es nicht." Man kann

und darf ihre Bilder auch einfach schön finden. Ihr aktuelles Thema sind Feuchtwiesen. Dazu fuhr sie ein Jahr lang, von September bis 

September, zu Feuchtwiesen in Saerbeck. Dort hat sie Spuren hinterlassen, und Spuren aufgenommen, indem sie Abdrücke von Gras, 

von Bäumen, Weidepfählen oder Holzkohle mitgenommen hat, die sie auch als Schreibmaterial für ihre Bilder verwendet. Mit Bleistift

fertigte sie noch an den Wiesen "Spickzettel" an, 15 mal 15 Zentimeter große Blätter, auf denen sie versuchte, Geräusche, Töne, Ge-

rüche, Wetter, Bewegungen und so weiter aufzufangen und in Zeichen, Symbole und Metaphern zu "übersetzen". Mehr als 300 solcher

Spickzettel, mit Datum und Stichworten versehen, sind so als Momentaufnahme entstanden. Zu Hause malt Wantia, als Übergang zum

fertigen Bild auf Pergament, mit Acrylfarbe oder Tusche. Auch diese rund 30 "Übergänge" werden in ihrer Ausstellung vom 17. April bis

zum 7. Mai im Kulturspeicher Dörenthe zu sehen sein. Zweige, die sie vor Ort für diese Bilder geschnitten hat, bilden die Vorrichtung zum

Aufhängen. Die fertigen Bilder auf Leinwand sind bis zu 1,20 mal 1,70 Meter groß. "Manchmal brauche ich 14 Tage für ein Bild, manchmal

nur ein Wochenende - manchmal kriege ich es gar nicht hin, packe es nicht, kann nicht mehr sehen, was ich will, dann dauert es

Wochen." Ihre Bilder entwickeln sich während des Malens: "Man muss mit den Farben im Gespräch bleiben." Mit den Acrylfarben geht

Wantia genauso spontan um, wie mit Tusche oder Kohle. "Es ist ein gutes Gefühl, den letzten Punkt zu setzen, wenn das Bild fertig ist."

Intuitiv arbeitet sie mit den Farben, die sie nicht auf Palette, sondern in Plastikbechern mischt. Wantia hat keine gekaufte Staffel, sie hat

sich eine aus einer alten Tür gebaut. Robust, stark - und anpassungsfähig. Genau wie die Künstlerin, trotz ihrer zarten Statur. 

Die Künstlerin hat schon mehrfach im Tecklenburger Land ausgestellt. Sie kann sich von ihren abstrakten Bildern ohne Titel trennen, aber:

"In der momentanen wirtschaftlichen Situation geben nicht viele Menschen Geld für Bilder aus." Deshalb hält sich Gerda Wantia, die seit

vier Jahren mit ihrer Partnerin in Bevergern wohnt, mit Alternativjobs über Wasser. Und so kann man sie auch als Stadtführerin in

Tecklenburg erleben.

Text: Elke Kockmeyer veröffentlicht IVZ 12.04.05

 

 

 

 

 

 

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