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Ausstellungen 2004 >>

Bilder sprechen von Schweiß und schwarzen Gesichtern    11.07. bis 25.07.04 

Peter Kirschner stellt in Dörenthe aus

Pablo Picasso hat einmal gesagt: "Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele." Wenn jemand diesen Ausspruch nicht nur im 

übertragenen Sinne, sondern aus eigener Erfahrung ganz wörtlich verstehen darf, ist das der Münsteraner Künstler Peter Kirschner. Er, 

der Autodidakt mit eigener Werkstatt (seit 1994) und eigener Tiefdruckpresse (seit 2000), erhielt nämlich im Oktober 2001 ein interessan-

tes Stipendium der Aldegrever Gesellschaft Münster: Statt in die Provence, wie ursprünglich gewünscht, führte ihn sein Weg geradewegs

unter Tage. Auf der Zeche "Friedrich Heinrich / Rheinland" im niederrheinischen Kamp-Lintfort erhielt er wie ein gewöhnlicher Arbeiter einen

Arbeitsvertrag, um einen Monat lang wie ein Kumpel tätig zu sein. Freilich fasste er dabei vor Ort keine Kohle an, sondern griff immer 

wieder zu mitgebrachten durchsichtigen PVC-Platten, wie sie als Fenster-Provisorien Verwendung finden, "aus dem Baumarkt", wie 

Kirschner verriet. Da sitzt der Künstler also vor Ort, direkt "vor Kohle", beobachtet die arbeitenden Kumpel intensiv - dann nimmt er sich

eine so genannte Kaltnadel und kratzt die Arbeitsmotive in das PVC - spontan, lebendig, das Ursprüngliche erfassend: Dry-Point-Technik

statt Ätzung oder Gravierung. "Hier, sehen sie mal, hier hab´ ich so´ne PVC-Platte, fühlen Sie mal drüber, das ist in 850 Metern Tiefe ent-

standen, und die Lichtverhältnisse waren nicht immer besonders gut". Gespräche mit dem Künstler sind genauso erfrischend wie lehrreich.

Über Tage entstanden dann die Drucke im Tiefdruckverfahren, ohne dabei jemals eine weitere Bearbeitung erfahren zu haben. "Das hab`

ich bewusst nie gemacht, um das Ursprüngliche zu erhalten," kommentiert Kirschner seine Werke, "aber schreiben Sie nicht: Das sieht

man auch!" Innerhalb des einen Arbeitsmonates verdiente sich Peter Kirschner ein dickes Fleißkärtchen, denn es entstanden rund 200

Arbeiten, von denen eine Auswahl von 42 Werken seit Sonntag im Dörenther Kulturspeicher zu sehen ist. "Vor Ort gekratzt" - anders kann

diese sehenswerte Ausstellung kaum heißen, die noch bis zum 25. Juli bestehen bleibt. In Zusammenarbeit zwischen dem Kunstverein

Ibbenbüren und dem Förderverein Kulturspeicher Dörenthe fand bekanntlich am vergangenen Wochenende das kombinierte Sommer- und

Hafenfest statt, und nicht nur die Vernissage lockte viele Besucher an. Die Werke Kirschners sprechen. Sie sprechen vom unverfälschten

Arbeitsalltag unter Tage, der ja der hiesigen Bevölkerung keinesfalls unbekannt ist, und die sprechen vom Schweiß, von rauen Händen, 

von schwarzen Gesichtern. Wer sie aus der Distanz betrachtet, registriert fasziniert die skizzierte Situation, wer näher tritt, studiert den

dargestellten schwer arbeitenden Menschen, mittendrin statt nur dabei. "Sprenglöcher bohren" oder "Demontage Kohlenwäsche/Staub-

kasten", so nennen sich die Werke, in die man quasi versinken kann. Nichts wird beschönigt, nichts retuschiert, Peter Kirschner war 

zweifellos direkt vor Ort. Wie war das noch mit dem "Staub de Alltags"? Den Picasso-Spruch kann man beim Kunstverein Ibbenbüren als

Button erstehen, Peter Kirschner bekam ihn von der Vorsitzenden Annette Kleinert geschenkt.

Text: Gerhard Baune veröffentlicht IVZ 13.07.04

 

Aus brennender Kohle entsteht Kunst            15. bis 31. Mai 2004

Globales Dorf: Künstler aus aller Welt arbeiten für zwei Wochen in Dörenthe

Ein Kunstereignis wie die am Samstag im Kulturspeicher eröffnete Gemeinschaftsausstellung von mehr als 20 Künstlern aus aller Welt

lässt sich nur in einem Dorf verwirklichen. So wenigstens glaubt der Initiator und Motor der Veranstaltung, der jetzt in Barcelona lebende

Dörenther Künstler Thomas Engelbert. So macht er, gemeinsam mit dem Förderverein des

Kulturspeichers, kurzerhand aus dem heimatlichen Stadtteil für 14 Tage eine Dorfgemein-

schaft, einen Teil des "globalen Dorfes". Denn die Künstler kommen aus aller Welt und 

werden zwei Wochen lang in Dörenthe bei Familien leben und im Speicher arbeiten. Daher 

war die Vernissage am Samstagnachmittag für viele Besucher überraschend. Die erweiterten

und nun fast doppelt großen Ausstellungsräume waren nahezu leer. An einem Tisch saß José

Delgado und wartete auf irgendetwas. Nihal Mumcu, eine aus der Türkei stammende und in

Barcelona lebende Künstlerin, befestigte Fotoausschnitte scheinbar wahllos an einer Wand. 

In einigen Ecken liefen Videos in ein paar Fernsehern. Und überall wurde gearbeitet und

diskutiert. Dann das Besondere ist, dass die Werke, oder besser das Werk aller Künstler, 

hier entstehen soll, zusammen mit den Dörenthern und den Ausstellungsbesuchern. So 

erbittet Delgado Blutstropfen, die er auf einen mit einem Text beschrifteten Zettel ver-

streicht. Überall auf der Welt trägt er unter dem Titel "Ich gebe dir mein Blut" diese 

Tropfen zu einer eben globalen Kollektion zusammen. Auch Xavi Munoz aus Barcelona 

dokumentiert, wie ähnlich sich alle Menschen dieser Erde sind, auch wenn es um ganz 

persönliche Dinge geht. Er verteilt, wo er arbeitet, Karteikarten und kleine Aufkleber mit 

dem Wort "Memory". Den Sticker soll man an einem Platz befestiegen und kurz be-

gründen, warum gerade hier. Munoz fotografiert diese Plätze und stellt Bilder und Karten zusammen mit solchen aus Spanien, Italien,

Griechenland und anderen Ländern aus. Der türkische Zeichner Atalay Mansuroglu, jetzt in Bremen wohnend, fügt Zeichnungen von

Ausstellungsbesuchern, einzeln oder in Gruppen, seiner Sammlung zu, in der Werke aus

seinem gesamten Schaffen zu sehen sind. Nihal Mumcu wird Einwohner des "globalen

Dorfes" fotografieren, die Bilder "fragmentieren" und als eine Art Puzzle wieder zusam-

menfügen, wie das große Bild ihres Gesichtes, deren Teile sie gerade noch an der 

Wand anordnete.

Veronika Larrain aus Kolumbien lädt zum Experimentieren mit Worten ein, es gibt sich

verändernde Videoinstallationen. Thomas Engelbert lässt eine große Außenplastik

entstehen und Andreas Schwarzkopf wird sein "Kleines Dorfgedicht", zunächst neben

eher symbolischen Kohlen, Streichhölzern und einem Rasenstück arrangiert, am 28. 

Mai um 22 Uhr dramatisch vollenden. Dann will er auf einem Dörenther Feld mit bren-

nender Ibbenbürener Kohle ein Kunstwerk entstehen lassen, von dem nach ein paar

Stunden nur noch Spuren und nach wenigen Wochen bloß noch eine Videodoku-

mentation mit Luftaufnahmen bleiben wird.

Insgesamt werden 23 Künstler aus drei Erdteilen bis zum 31. Mai die Idee vom globalen

Dorf setzen, auf eigene Kosten einschließlich der Anreise. Der Werkprozess wird

öffentlich sein, Besucher sind jeden Tag ab 10:30 Uhr gern gesehen, Kindergartenkinder

werden sich morgens an der Arbeit beteiligen und so ihren und der Künstler Blickwinkel

erweitern. Sonntags ist die Ausstellung von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

Text: WIlm Froese, veröffentlicht IVZ 17.05.04

 

 

 

 

 

 

 

Das Kinderzelt "Kunsterbunt"  beherbergt  naturverbundene Bewohner

Aus Steinen und Stöckchen entstanden fantasievolle Figuren / Es gibt noch viel zu tun

"Kunsterbunt" heißt das Kinderzelt im Kulturspeicher Dörenthe, an dessen Ausgestaltung sich in der vergangenen und noch in der nächs-

ten Woche - während der gesamten Dauer des Projektes "Globales Dorf" in Dörenthe verschiedene Kindergruppen beteiligen können. Die

Kinder der Kindertagesstätte "Pusteblume" e.V. in Ibbenbüren, die am Mittwoch im Kulturspeicher erlebten, wie herrlich abenteuerlich

Kunst sein kann, begannen ihre künstlerische Arbeit mit einem Rundgang durch die Ausstellung im Obergeschoss des Kulturspeichers.

Die Ausstellung sei für die Kinder ein schöner Ausgangspunkt für die eigenen kreativen Aktivitäten, meint die Sozialpädagogin Simone

Dierksmeier, die das Projekt Kunsterbunt

organisiert und begleitet. In der Halle im

Erdgeschoss erläuterte sie den Kindern

dann, wie man das Kinderzelt gestalte-

risch "beleben" könnte. Was die Kinder

vorfanden, sah noch recht karg aus und 

gab lediglich einen groben Rahmen vor.

Aus drei im Dreieck aufgestellten Töpfen

ragten Zweige, die am oberen Ende

zusammengebunden waren: so war die

äußere Form eines Zeltes zu erkennen. 

Der Zeltboden war mit weißem Sand

ausgestreut. Ein blaues Stofftransparent

war wie ein "Bauschild" davor ausgelegt: 

"Hier entsteht das Kinderzelt Kunsterbunt".

Mit Eifer schwärmten die Kleinen dann in 

Dreiergruppen, jeweils begleitet von einem 

Erwachsenen, aus, um in der Natur das 

Material zu sammeln für ihre gestalterische 

Arbeit. Und Simon, dessen Eltern Mitglieder

 im Förderverein Kulturspeicher sind, war 

als Helfer dabei. Er wusste genau Bescheid, 

welche Orte es in der näheren Umgebung zu meiden gelte, weil sie für kleine Kinder gefährlich sind: Kieshaufen, Bahngleise, Kanal. So

instruiert, machten sich die kleinen Künstler samt Betreuern tatendurstig auf den Weg. Figuren sollten entstehen, die das "Kunsterbunt-

Zelt" im Globalen Dorf bewohnen könnten. Schöne Steine, Äste und Hölzchen wurden gesammelt, Vogelfedern und Moos, große und

kleine Blätter von Bäumen und Sträuchern und was sich sonst noch fand in der Natur um den Speicher herum. Das alles konnte man

prima gebrauchen, um damit zu werkeln. Die Sache war spannend wie eine Schatzsuche. Und dabei sehr erfolgreich, denn was da

zusammen getragen wurde, taugte durchaus für seinen Zweck. Lustige Bewohner des Kinderzeltes entstanden aus diesen natürlichen

Material. Aber noch ist "Kunsterbunt" lange nicht fertig. Für weitere kleine Künstler gibt es noch jede Menge daran zu tun.

Noch bis zum 31. Mai läuft das Projekt "Globales Dorf" in Dörenthe. Bis dahin kann natürlich auch weiter am "Kinderzelt Kunsterbunt"

gebaut werden.

Text: Cornelia Ruholl, veröffentlicht WN 22.05.04 

 

Von Örtchen-Türen und Wolken-Zelt

Projekt "Globales Dorf" in Dörenthe: Internationale Künstler stellen sich vor

So verschieden wie ihre Herkunft, so verschieden sind auch Themen und Arbeitsweise der Künstler, die sich am Projekt "Globales Dorf"

in Dörenthe, initiert und organisiert von dem Dörenther Künstler Thomas Engelbert und unterstützt vom Förderverein Kulturspeicher 

Dörenthe, beteiligen. Sprachen und Ordnungsdisziplin, menschliche Beziehungen, Erinnerung, Licht und Wolken interessieren die Krea-

tiven. Und selbst eine Toilettentür ist nicht zu profan, um zum kreativen Spiel zu taugen. Acht der beteiligten Künstler trafen wir im Kultur-

speicher an. Gern erläuterten sie uns ihre Kunst. Komplimente machten alle der Freundlichkeit der Dörenther und der Umgebung.

Der dekorative Aspekt der Arbeiten von Maryam Motalleb Zadeh ist unverkennbar. Aber darauf ist ihre Arbeit nicht beschränkt. Thematisch

setzt sich die 44-jährige Iranerin, die seit fünf Jahren in Bremen lebt, wo sie an der Kunsthochschule studierte, unter anderem mit Schrift

und Sprache auseinander, wobei sie die Bewegung der Schrift, die Schrift in Bewegung erfahrbar machen möchte. So komponiert sie ihre

auf Leinwand gemalten Bilder mit einer Klanginstallation. In der Farbgebung dominieren Rot und Schwarz. Auch die Zahl 12 mit ihrer

Symbolik und Zahlen als Ordnungsprinzip beschäftigen sie in ihrer Arbeit. Das sie von der Innenarchitektur kommt, lässt das dekorative

Element ihrer Arbeit durchklingen.

Gosia Heijnat, die 31-jährige Polin, hat schon manchmal irr-

itierte Blicke geerntet, wenn sie mit ihrer Kamera vor einer der

Toilettentüren dieser Welt stand. Schon drei Jahre lang

sammelt sie Fotos von WC-Türen. Nun hängt ihre Jagdbeute 

an der Wand im Kulturspeicher Dörenthe. Wer glaubt, eine

Toilettentür sehe aus wie die andere, sieht sich getäuscht.

Gosia Heinat staunte selbst, wie vielfältig ihre Sammlung

geworden ist. In Indien, Polen, Deutschland, Holland, Weiß-

russland und den USA knipste sie unter anderm die Türen

öffentlicher Toiletten. In Hotels, auf Märkten, auf Baustellen,

in Bahnhöfen, in Cafes und so fort. Da findet sich zum Bei-

spiel das Foto mir der dezent erotischen Anspielung. Es zeigte 

eine schlichte Toilettentür, über der eine großformatige Werbe-

Plakatwand hängt, auf der ein Poster mit einem tiefroten Kuss-

mund die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Oder die Glastür zum Sanitärraum

in deren Aufschrift "women" das "w" verloren ging, so dass die Goldbuch-

staben noch das Wort "omen" bilden. Die ländlichen Holztüren eines Toiletten-

hauses im polnischen Masuren zeigt noch die traditionelle Kennzeichnung,

das Dreieck für "Herren" und den Kreis für "Damen". Die Fotosammlung ist

unterhaltsam und skurril, aber sie hat für Gosia Hejnat auch einen durchaus

ernst gemeinten Aspekt: "Man spricht nicht drüber, es ist ein gewisses Tabu,

aber Toiletten sind ja nun einmal wichtig", sagt sie. Auf Reisen suche man 

mitunter gar Lokale danach aus. So gerät bei Gosia Hejnat ein eher abseitiges

Thema in den Mittelpunkt ihrer Kreativität. Fertig werde die Sammlung nie, 

sagt sie. Auch in Ibbenbüren fand sie schon Motive. Als eine "Explosion der Farben", ein Naturerlebnis von großer Intensität, beschreibt

Salvador Luna (36) aus Mexico seinen Eindruck von Dörenthe. Er schwärmt von dem Ort und den Menschen, deren farbenfrohe, gepflegte

Gärten er bewundert. Die Verbundenheit zur Natur drückt sich auch in seiner künstlerischen Arbeit aus. Er fotografiert Wolkenformationen.

Im Gegenlicht eines Fensters hat er bereits einige seiner Fotos angebracht. Bis zum Ende des Projektes in Dörenthe will er die Wolken

(-bilder) aus Mexico, aus Spanien, aus Dörenthe und von

sonstwo zu einem globalen Himmelszelt zusammenfügen.

Alexander Steffens (29) beschäftigt sich ebenfalls mit Foto-

grafie. Seine Bilder sind schwarz-weiß und sind gekenn-

zeichnet von Linien und Dreiecken, die sowohl Ruhe als 

auch Energie vermitteln sollen. Dabei versucht der Bremer, 

sich selbst in seine Fotos einzubeziehen, wozu er unter

anderem Spiegel benutzt. Spiegel setzt er auch ein, um

ungewöhnliche und verwirrende Perspektiven zu erzielen. 

"Ich verändere die Motive im Labor nicht mehr" sagt er.

Nihal Mumcu (24) studiert Kunst in Barcelona. Ihr Ausstell-

ungsbeitrag sind aus Fragmenten zusammen gepuzzelte 

Bilder von Menschen.

Schwarz-Weiß und sepiafarben 

sind ihre teils auf Sperrholz 

geklebten Fotokopien, die ein 

Stück Arm oder ein Stückchen 

Gesicht zeigen und die sie zu  

einem Ganzen zusammenfügt. "Puzzle" heißt ihr Projekt, das sich wunderbar einfügt in die Idee vom

Globalen Dorf. Dimitris Pikros aus Griechenland lebt und arbeitet seit vier Jahren in Barcelona. Der Beitrag

des 30-jährigen Raiki-Meisters heißt "Mineralwasserbaum". Da er am Computer arbeitet, wird sein Aus-

stellungsbeitrag erst zur Finissage am 30. Mai fertig und für Besucher zu sehen sein. Es gehe dabei um

die Kraft der Kristalle, sagt Dimitris, um Gleichgewicht und Harmonie. Seine Idee vom Mineralwasserbaum

habe ihren Ursprung in dem griechischen Volksglauben, das Bergkristall sei gefrorenes Wasser, das nie 

mehr schmilzt.

 

José Antonio Delgada aus Andalusien geht es um den

Ausdruck von menschlicher Nähe. Seine Aktion: "Ich

gebe dir mein Blut". Einen Blutstropfen aus seiner

Fingerkuppe drückt er auf ein Blatt Papier, lässt es 

vom Beschenkten mit Namen, Datum und Ort ver-

sehen und gibt ihm einen frankierten Briefumschlag 

und ein Formular dazu, das er ausgefüllt an ihn

zurücksenden möge. Auf dem Formular sollten

die Beschenkten ihm ihre Reaktion auf die Aktion

mitteilen. Das Geschenk eines Blutstropfens sei

geprägt von großer Inimität, so Delgado. Unter-

schiedlichste Reaktionen, von Abscheu bis Rührung 

habe es schon gegeben. Die in Barcelona begonnene 

und in Dörenthe fortgesetzte Aktion werde er auf einer 

Reise durch Weimar und Berlin weiterführen. Enden 

werde sie im Museum Vostell-Malpartida in Cáceres 

in Spanien. Xavi Munoz aus Katalonien interessiert 

sich in seinem "urban projekt" namens "memory" für 

die menschliche Erinnerung. Dabei richtet sich seine 

Aufmerksamkeit nicht auf die kollektive Erinnerung, die sich an Orten wie dem Brandenburger Tor manfestiert. Vielmehr geht es ihm um

die Manifestationen ganz individueller Erinnerung in der Stadtlandschaft. So hat er Menschen gebeten, an irgendeinen Ort, den sie mit 

einer wichtigen persönlichen Erinnerung verbinden, das von ihm vorbereitete

"memory"-Schildchen zu kleben und den Ort dann zu fotografieren. Zu jedem

Foto gehört ein standadisierter Zettel, auf dem die Bedeutung erläutert wird,

die der fotografierte Ort für den jeweiligen Menschen hat. "Hier haben wir uns

das erste Mal geküsst" ist zum Beispiel über einem Foto zu lesen. Schon

seit zwei Jahren trägt Munoz auf seinen Reisen - so auch in Dörenthe - 

dieses Mosaik der Erinnerung zusammen.

Text: Cornelia Ruholl, veröffentlicht WN 25.05.04

 

 

 

 

 

 

Gedicht aus Feuer und Flammen

Heimische Kohle entzündet Haiku / Lob für interessierte Dörenther

"Es ist Pfingsten 2004 und nicht Ostern. Es ist kein Osterfeuer oder gar ein Pfingstfeuer.

Auch wenn es gleich brennt und die Feuerwehr hier über alles wacht, ist es ein Teil der

Kulturveranstaltung in Ibbenbüren-Dörenthe", so begrüßte Thomas Engelbert die rund 100

Gäste auf einer Wiese am Wasserwerk. "Wir haben uns mit Ibbenbüren, Dörenthe, der

Landschaft und der Kultur hier in der Region auseinander gesetzt und dabei ist diese Idee

gewachsen", sagte Andreas Schwarzkopf, der mit einem Team diese Haiku-Idee in die 

Tat umsetzte. Sie war eine der zahlreichen jüngsten Aktivitäten rund um den Kultur-

speicher Dörenthe. Haiku ist ein japanisches Kurzgedicht aus 17 Silben. Das Gedicht

wurde in drei Reihen bildlich dargestellt (1.Reihe: Gestern die Blume; 2. Reihe: Heute die 

Blume; 3. Reihe: Morgen die Blume). Die Buchstaben waren mit kleinen Reisighölzern

ausgefüllt. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde die vom heimischen Bergwerk gespon-

serten offenen Brennkörbe, die mit Nusskohle gefüllt waren, umgekippt, und innerhalb

weniger Minuten waren die Buchstaben mit der glühenden heißen Kohle befüllt. 

Rauchschwaden zogen über Dörenthe. Die Künstler strahlten. "So hatten wir es uns 

vorgestellt", sagte Schwarzkopf. Die Zusammenarbeit mit der Dörenther Bevölkerung 

in den vergangenen zwei Wochen sei sehr positiv. "Die Menschen sind sehr freundlich 

und nett und sehen dieser Kulturveranstaltung sehr optimistisch entgegen." "Ziel 

erreicht", so Schwarzkopf.Wochenlang entwickelte Ideen

wurden in Minuten realisiert und für die vielen Menschen

optisch dargestellt. Bewusst wird darauf gesetzt, dass

an der Haiku-Stelle das Gras in diesem Jahr Wachstums-

probleme bekommt. "Hier bleibt am Ende Asche übrig, die

als Dünger dient. Und in den kommenden Jahren soll an

dieser Stelle das Gras um so mehr wachsen", gab Engel-

bert den Besuchern zu verstehen.

Text: Heinrich Weßling, veröffentlicht IVZ 1. Juni 2004

 

 

 

 

 

 

Globales Dorf spiegelt weite Welt

Positive Resonanz auf Akton am Kulturspeicher

Seit Eröffnung der Ausstellung Globales Dorf im Kulturspeicher Dörenthe hatten die Veranstalter diverse Probleme zu bewältigen. So 

konnten einige Künstler weger Krankheit oder aus familiären Gründen nicht wie vorgesehen kommen. Einer musste gar wegen der Hoch-

zeit des spanischen Prinzen zu Hause bleiben - wegen des geschlossenen Luftraumes während der Zeremonie startete sein Flugzeug 

nicht. Und als ob das alles nicht schon genug der Überraschungen gewesen wäre, musste die niederländische Tanzformation "T.R.I.P."

ihren für die Abschlussveranstaltung am Sonntagabend geplanten Auftritt nachmittags absagen: zwei Tänzer waren verletzt. Trotzdem ver-

lief die Veranstaltung zur Zufriedenheit der Ausrichter. Im Laufe des Nachmittags besuchten etwa 150 Interessierte die Ausstellung mit

sehr unterschiedlichen Werken.

Thomas Engelbert, Initiator des Projekts

und verantwortlich für das Konzept, hatte

Künstler aus aller Welt eingeladen, für 

zwei Wochen nach Dörenthe zu kommen

und in dem "wundervollen Umfeld"

(Engelbert) des Kulturspeichers auf die

Umgebung zu reagieren und zu schaffen.

Zehn Gäste kamen und bezahlten für 

diese Erfahrung ihre Reise und ihre

Arbeiten selbst. Die anderen zehn, die

nicht kommen konnten, schickten 

Arbeiten zum Thema "Globales 

Bewegung - Menschen im sozialen 

Kontext", die in der Ausstellung gezeigt 

wurden. Neben den bisher in der Presse 

erwähnten Künstlern und Künstlerinnen 

präsentierten Alex Brahim (Kolumbien), 

Alexander Del Re (Chile), Lourdes Ribas

 (Katalonien), Victoria Perez (Cuba/USA) 

Video-Installationen. Die Südkoreanerin 

Yun-Hee Huh schickte jeden Tag ein Bild für die Ausstellung, der Russe Andreij Herzog lieferte einen Film und die Berliner Gruppe "Timor"

ein Hörspiel ("Die Grenze").

Die sehr guten Zeichnungen von Atalay Mansuroglin (Türkei) bereicherten die Ausstellung um eine ironische Nuance. Insgesamt beurteilt

Engelbert das Projekt, das in der sanften und eingängigen Musik der Band "Krumulus forte" aus Osnabrück seinen Ausklang fand, sehr

positiv. Zum guten Gelingen des gesamten Projekts hätten Vorstand und Mitglieder des Fördervereins beigetragen: Gerd Overmeyer (PR,

Spenden), Karl-Heinz Käsekamp (Organisation), Petra Probst (Beherbergung und Beköstigung von mehreren Künstlern und Künstlerinnen)

und Friederike Schmiemann (Fahrt nach Amsterdam, Ermöglichung des "Kunst"-Fotos). Engelberts besonderer Dank gilt auch den

ortsansässigen Firmen für ihre Hilfsbereitschaft und ihre Unterstützung während des gesamten Projekts. Die Künstler seien sehr zufrieden,

weil es außer einigen finanziellen Einschränkungen keine Eingrenzungen gegeben habe. Alles sei künstlerisch sehr offen gewesen. Und

die Resonanz auf die Ausstellung sei insgesamt sehr erfreulich. Ganz besondere Freude hat Engelbert daran, dass viele Ortsansässige

gekommen seien ("Die Dörfler haben die Sache mitgetragen") und nicht wie sonst fast nur Besucher aus der näheren und weiteren

Umgebung.

Text: Marianne Laun, veröffentlicht IVZ 1. Juni 2004

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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