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Authentizität und Vielfalt       8. bis 29. März 2009

"Weibs-Bilder" stellen im Kulturspeicher Dörenthe aus: Zwischen Anpassung und Eigen-Sinn

Das "Weib" ist eigentlich ein (Un-)Ding, nimmt es der dahinter-

stehenden Frau doch jegliches Geschlecht. Eine Frau ist weiblich,

ein Weib nicht, stellte auch Monika Haselon vom Förderverein

Kulturspeicher Dörenthe fest, als sie zur Begrüßung im Rahmen 

der neuen Ausstellung im Kulturspeicher am Sonntag - dem

internationalen Frauentag - ans Rednerpult trat. Doch nicht nur 

dieser Frauentag war Anlass für Haselons Gedanken über das

Frau-Sein, sondern vor allem der Name den die Ausstellerinnen

für ihre im Jahr 2005 gegründete Gruppe gewählt haben: "Sicher-

lich mit einem Augenzwinkern und Humor werden die Künstler-

innen sich "Weibs-Bilder" genannt haben", meint Monika Haselon. Fest steht, dass die Kunst der "Weibs-Bilder" sich auf sehr hohem

Niveau bewegt - und das war sicherlich der Hauptgrund, weshalb die Räume des Kulturspeichers am Sonntag mit kunstbegeisterten

Menschen außerordentlich gut gefüllt waren. Eine weitere Rolle dürfte wohl auch gespielt haben, dass sich die Vernissage zu dieser

Ausstellung mit dem hintergründigen Titel "Zwischen Anpassung und Eigen-Sinn" wohltuend von vielen anderen Eröffnungen abhob: Zwar

durften Einführungsreden auch hier nicht fehlen, sie waren jedoch kurz, bündig und informativ und machten bald Platz für die Künstler-

innen selbst, die in einer "Stunde voller Poesie" Gedichte (manche davon selbst geschrieben) vortrugen, begleitet und ergänzt von Nadja

Kossinkaja, die mit ihrer virtuos vorgetragenen Gitarrenmusik das

Publikum begeisterte. Die "Weibs-Bilder", das sind Geneviève

Gigand (Lienen), Gudrun Harmsen (Belm), Karin Mac Kay

(Osnabrück), Marion Marx (Lengerich), Elisabeth Pawils

(Osnabrück), Gisella Prodan (Lienen) und Barbara Rübartsch

(Tecklenburg; Moderatorin der Gruppe). Wie vielseitig ihr

künstlerisches Ausdrucksvermögen und auch ihre individuelle

Sichtweisen sind, das wurde bei einem Gang durch die Ausstellung

                                                                                                      recht schnell deutlich: Gewichtige Malereien in kräftigen, eher

                                                                                                      dunklen Farben, kompakte Sandsteinskulpturen und Objekte aus

                                                                                                      alten, hölzernen Haushaltsgegenständen (Mangelrollen u. Ä.)

liniges dem Verspielten, typisch Weiblichen. "Es sind starke Frauen, die sich hier mit ihren Arbeiten zeigen" befand Martina Gottschling,

die als Frauen- und Kulturbeauftragte des evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg die Ausstellung zusammen mit  dem Förderverein

des Kulturspeichers veranstaltet. Bisher haben die Künstlerinnen an ganz unterschiedlichen Orten ausgestellt, dabei hätten die Räum-

lichkeiten die gezeigte Kunst auf verschiedene Weise beeinflusst, unterstreicht

Gottschling die Herausforderung, die den Frauen bei jeder ihrer Ausstellungen ein neues

Konzept abfordert. Doch dieses Mal sein ein Höhepunkt erreicht, findet die Kultur-

beauftragte: "Es gefällt mir. Mir gefällt die Vielfalt". Außerdem zeige sich hier eine

Authentizität, die so manchen Blick auf die Welt erkennen lasse, der gegen die allge-

meine Strömung gerichtet sei, eine Wahrnehmung, die manchmal auch eigensinnig sein.

Noch bis zum 29. März ist die Ausstellung während der Öffnungszeiten des Kultur-

speichers jeweils sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen; am Sonntag, 29. März, gibt es 

eine offizielle Finissage mit Musik und Texten zum Thema "Grenzüberschreibungen". 

Text und Fotos: Claudia Ludewig, veröffentlicht IVZ 10. März 2009  

 

 

 

 

Nach der Pause blieben viele Stühle leer

Finissage mit Lesung mit Musik im Kulturspeicher

Am Sonntag hatten Kunstinteressierte zum letzten Mal Gelegenheit, die Werke der Künstlerinnengruppe "Weibs-Bilder" im Kulturspeicher

zu entdecken. "Zwischen Anpassung und EigenSinn" bewegten sich Bilder, Fotos, Objekte und Skulpturen, die seit dem achten März in

Dörenthe ausgestellt waren. Genevißeve Gigand, Gudrun Harmsen, Karin MacKay, Marion Marx, Elisabeth Pawils und Gisella Prodan

ließen die Betrachter teilnehmen an ihrer ganz eigenen Sicht auf die Welt und erreichten damit ein großes Publikum. Um sich mit einem

besonderen Höhepunkt von den Kunstliebhabern zu verabschieden, hatten die Künstlerinnen am Sonntag zu einer Lesung mit Musik unter

dem Titel "Grenzüberschreitungen" eingeladen. Martina Gottschling ist die Frauen- und Kulturbeauftragte des evangelischen Kirchen-

kreises Tecklenburg, der als Mitveranstalter der Ausstellung eine besondere Verantwortung übernahm. "Der Harem in uns" der marokkani-

schen Autorin Fatima Mernissi, die an der Unversität Rabat lehrt und als Beraterin der Unesco zur Situation muslimischer Frauen tätig ist.

Die Neugier auf einen spannenden Bericht aus dem Inneren eines weitgehend unbekannten Lebensraumes hatte über 60 Zuhörer in den

Kulturspeicher gelockt. Die Musikgruppe "DivaCadenzia" aus Münster begleitete die Worte mit instrumentalen und stimmlichen Improvisa-

tionen. Mit plätscherndem Wasser, leisem Gesang und klagenden Tönen des Didgeridoo begannen Christiane Brosterhus, Brigitte Holt-

kamp und Rachel Seifert. Stille lag im Raum, als der Vortrag endete.

Martina Gottschling begann ihre Lesung mit einer sehr anschaulichen Beschreibung des Harem in Fes, in dem Fatima Mernissi 1940 ge-

boren wurde. Aber das Haus, so schön es auch sein mag, ist von hohen Mauern umgeben, kein Fenster öffnet sich zur Straße und die

Pforte wird von Achmed bewacht. Ihre Kindheit beschreibt die Autorin als glücklich, weil es kristallklare Grenzen gab. Der Harem sei nicht

allein ein Gebäude, die Gesetze und Vorschriften trügen die Bewohner in sich. Wer die unsichtbaren Regeln (Quaida) einhalte, dem könne

nichts passieren. Dass diese Regeln Frauen benachteiligen, lässt Mernissi nicht unerwähnt. Ihre Mutter erzog sie dennoch nicht zur Un-

terwürfigkeit. Martina Gottschling findet das Buch außerordentlich wichtig, leider gelang es ihr in Dörenthe nicht, die Zuhörer zu fesseln

und zum Bleiben zu bewegen. Nach einer Stunde wurde sie gebeten, ihre ohne stimmlichen Höhen und Tiefen vorgetragene Lesung abzu-

kürzen, denn es war recht kühl im Raum. Die Musikerinnen warteten ebenfalls auf eine Pause, in der sie ihr Können hätten zeigen können.

Aber lediglich eine kurze Pause wurde dem Publikum zugestanden.

Nach dem Aufwärmen blieben viele der Stühle leer. "Es war eine Enttäuschung, schade", äußerte sich eine Besucherin, bevor sie vor-

zeitig nach Hause ging. Der zweite Teil begann wieder mit Improvisationen der Gruppe "DivaCadenzia". Selten zu hörende meditative 

Klänge schwebten durch den Raum. Vorgaben von Litophon oder Akkordeon nahm Rachel Seifert mit der Stimme auf und gab sie wieder

zurück. Dabei entstand ein spannendes Wechselspiel zwischen Instrumenten und Gesang. Die Lesung ging weiter, jedoch hörten nicht

mehr viele zu. Schade, denn das Thema ist wichtig für unsere Zeit. Barbara Rübartsch, Moderatorin der "Weibs-Bilder", überreichte den

Akteurinnen eine Rose und dankte den Zuhörern fürs Ausharren.

Text: Brigitte Striehn, veröffentlicht IVZ 31.03.2009 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                        

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