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Events 2008 >> Dörenther Leckerbissen im Einklang mit der Natur am 31.08.2008 Dritte Kultur-Tour "Schöne Aussichten" des Fördervereins Kulturspeicher Eine verlassene Gegend mit einer Industrieruine zu finden, ist selbst in Ibbenbüren nicht leicht. Aber es gibt sie, diese verwunschenen Orte, deren natürliche Schönheit nur wenige Menschen zu sehen bekommen. Wer am Sonntagnachmittag der Einladung des "Fördervereins Kultur- speicher Dörenthe" zu einem literarischen Spaziergang gefolgt war, bekam schriftstellerische Leckerbissen zu hören und außerdem die seltene
Breckweg zu laufen. Monika HaseIon hatte die Gäste zuvor am Kulturspeicher begrüßt, denn dort sind zur Zeit zwei Ausstellungen zu besich- tigen, die einen Besuch wert sind. Jürgen Hecker machte noch einmal auf die Fotografien im Erd- geschoss aufmerksam, die unter dem Titel "Luoghi e spazi sul canale westfalico" Abbilder des Raumes am Kanal nach Innen holen und zu persönlicher Auseinandersetzung auffordern. In der oberen Etage stellen Mitglieder der Fotoclubs Emsdetten und Mettingen Bilder aus dem Kreis Steinfurt aus, die überraschende Blicke auf Bekanntes oder eher Verborgenes werfen. Mit dem Fahrrad oder Auto war anschließend das Ziel des Tages schnell erreicht. Nach einem kurzen Fußweg kam schon der Kalksteinbruch in Sicht. "Schöne Aussichten" boten sich hier an jeder Biegung des Weges. Die Natur bleibt weitest- gehend sich selbst überlassen, nur gelegentlich greifen die Menschen ein und ordnen ein wenig das Grün. Spannende Verbindungen zwischen Resten der Industrieanlagen und der Natur, die sich den Raum langsam zurückerobert, bildeten den Rahmen für ausgewählte literarische Kost- proben. Dabei hatten sich die Vortragenden von der Umgebung inspirieren lassen. Bei dem ersten Rundgang um den See entdeckten sie in der Gegend etwas "Amerikanisches", sodass Herbert Börger mit der Lesung der Kurzgeschichte "Drei Tage Sturm" von Ernest Hemingway begann. Die Zuhörer machten es sich im Gras bequem, breiteten Decken aus und lauschten dem Vortrag. "Fein, wenn die Herbststürme kommen", schrieb der Autor in seiner "short story". Am Sonntagnachmittag war davon zum Glück nichts zu spüren, das spätsommerliche Wetter verlockte eher zum Baden im türkisfarbenen Wasser des Sees. Jürgen Hecker und Monika HaseIon hatten sich für eine Erzählung der jungen deutschen Autorin Judith Hermann entschieden. "Sommerhaus, später" - so der Titel passte ebenfalls perfekt ins Bild, wenn auch das Haus am See zunächst noch hinter Büschen und Bäumen verborgen blieb. Auf einer Wiese, schon in Sichtweite zu dem angekündigten Picknick, nahmen die Gäste ein wenig später auf Stühlen und Bänken Platz und lauschten dem ersten Kapitel aus dem Roman "Divisadero" von Michael Ondaatje. Heribert Fischer und Herbert Börger lasen abwechselnd den Text, der schon etwas von den verschlungenen Lebensläufen der Personen erahnen ließ. Das
Nietzsche-Zitat im Vorwort
der Romans: "Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahr- heit zugrunde gehen", fanden beide besonders passend und es gefiel auch den Zuhörern. Von ihnen verabschiedeten sich die Akteure des Nachmittags mit dem "Sommerlied" von Ernst Jandl: wir sind die Menschen auf den Wiesen - bald sind wir Menschen unter den wiesen und werden Wiesen, und werden Wald - das wird ein heiterer Landaufenthalt. In Dörenthe endete der "heitere Landaufenthalt" an einem rustikalen Buffet mit Brot, Käse und Wein. Dabei gab es reichlich Gelegenheit, sich mit Freunden und der Familie über die Lesungen zu unterhalten, zu plaudern und den wunderschönen Blick auf die steil ins Wasser abfallenden Kalkfelsen zu genießen. Text und Fotos: Brigitte Striehn, veröffentlicht IVZ 02.09.08
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