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Gäste waren aufs Tanzen eingestellt   

"Tango Argentino Nacht" im Kulturspeicher Dörenthe

Die "Tango Argentino Nacht" am Freitagabend im Kulturspeicher in Dörenthe "mit Tanz, Musik und Kulinarischem" war vielleicht doch ein

zu gewagter Versuch, einen Kunstsommerabend im spanisch-argentinischen Stil zu arrangieren. Musikalische Darbietung oder Tanzabend

mit Einlagen, das war wohl auch dem Publikum nicht klar. Den Besuchern, die aus der Ankündigung auf eine Art Konzert geschlossen 

hatten, kam schon bald die Angabe des Beginns um 19 Uhr spanisch vor. Musik vom Band und Getränke von der Theke waren für diesen

Teil der Gäste zu wenig für 80 Minuten des Wartens. Dann endlich nahmen die Musiker auf der kleinen Bühne Platz, der Gitarist Davis

Wiesner sowie die Flötistin Emer Morris, das "Projekt Saudale" aus Osnabrück. Schön klangen drei der bekanntesten Konzert-Tangos

von Astor Piazzolla auf programmatische Werke des "neuen Tango". Die Querflöte formulierte die Melodien, wie man sie vermutlich 

wirklich nur spielen kann, wenn man sie im Kopf singt, fast zu schön für die höchst irdische Thematik Piazzollas. Die Akkorde und Läufe

der Gitarre steigerten sich zu zupackender Begleitung und eigener Melodieführung, vor allem, als es an zwei Werke von Antonio Pujol 

ging, der ja dem Gitarrenklang seine besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat. Dass das Konzert damit schon zu Ende war, war umso

bedauerlicher, als die Wiederholung des Tangos von heute als Zugabe nun wirklich keine Wünsche mehr offen ließ. Da passte alles. 

Schade, kaum hatte sich das Duo über die Sprödigkeit des Raumes hinweggesetzt, war sein Auftritt vorbei. Die nun folgenden Tangos

aus der Konserve waren kauf ein Ersatz. Aber sie waren Anlass für einige Paare, auf der Tanzfläche vor der Bühne das Tangobein zu

schwingen, ganz offensichtlich eingespielte Paare. Ziemlich genau die Hälfte der knapp 30 Gäste war also nicht nur auf Konzert, sondern

auf Tanzen eingestellt und kam nun auf ihre Kosten. Gleichzeitig war jetzt Gelegenheit, sich dem Kulinarischen zu widmen. Einen sehr

spanischen Imbiss hatte der Gasthof Prigge vorbereitet, mit Käse, grünen Oliven, Ruccola und einem spanischen Schinken, der in der 

Jamonera, dem typischen Schinkenhalter, an Ort und Stelle aufgeschnitten wurde. Dann hieß es "Bühne frei" für ein Tanzpaar und seine

Interpretation des argentinischen Tango. Andy Brincker und Oliver Konen nutzten die gesamte  als Tanzfläche vorbereitete Bühne für ihre

Passagen, Drehungen, Kreuzungen und Wiegefiguren. Eine interessante Demonstration der Unterschiede zwischen dem Standardtanz

Tango und dem rhythmisch und im Ausdruck variablen argentinischen Vorbild.

Für den Rest der langen Dörenther Tangonacht konnte man selbst tanzen, plaudern oder noch einmal durch die Ausstellung "Kunst-

sommer 2007" schlendern und vielleicht in der Vielzahl der Exponate eine neue Entdeckung machen. Vielleicht wäre das Konzept einer

Party mit den Künstlern, einer Entspannung vor dem Schlussspurt, ja richtig und gut, aber nur, wenn man sich, gut informiert durch eine

aussagekräftige Ankündigung, bewusst für oder gegen einen Besuch entscheiden kann.

Text: Wilm Froese, veröffentlicht IVZ 4.9.07

 

 

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