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Events 2003 >>

Die Organisatoren sorgten für ein unvergessliches Erlebnis       am 12. Juli 2003 

40 Teilnehmer gingen mit der Nicola auf "Kul-Tour-Schifffahrt"

Da der Kulturspeicher in Dörenthe nun einmal direkt am Kanal liegt, warum sollte man den nassen Verkehrsweg nicht für die 

Kultur nutzen? Wie immer die Idee zur "Kul-Tour-Schifffahrt" am Samstagabend auch geboren sein mag, die knapp 40 Teil-

nehmer der fünfstündigen Jungfernfahrt waren sehr beeindruckt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch an Land begann es mit einem ironischen Benimm-Kurs. "Zwischen zwei Bissen" heißt der Einakter von Alan Ayckbourn, 

den eine Theatergruppe aus Betreuern der evangelischen Jugendhilfe Münsterland sehr unterhaltsam präsentierte. Angelika 

Westermann, Jörg Wahlbrink, Doris Kleine-Klatte und Timo Stegemann ließen sich von Ida Maria Vischedyk ein Menü servieren, 

das die beiden Paare sich gründlich selbst versalzten. Regisseurin Daniela Becker gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Zu-

schauer nie so werden möchten wie die Personen im Stück. Also kletterte man gesittet an Bord der "Nicola", wo auch wohl Platz 

für die doppelte Anzahl gewesen wäre. So aber passten alle auf ein Deck und konnten das gesamte kulturelle Bordangebot ge-

nießen. Denn eigentlich sollte unten und oben je ein eigenes Programm ablaufen. Also schiffte man zunächst literarisch mit dem 

Seemann Kuttel Daddeldu durch die Meere, lauschte seiner Version von Rotkäppchen und der alles verschlingenden Großmutter

und konnte schließlich seine Form an den Turngedichten erproben, alles aus der Feder von Joachim RIngelnatz und vorgetragen 

von Herbert Börger in seiner unnachnahmlichen Art. Später, auf der nächtlichen Rückfahrt, konnte man noch mehr von den bei 

den hören, zuletzt die berühmten Nachtgebetchen. 

Doch vorher ging es in den Bauch des Schiffes, ins Unterdeck. Noch passender wäre der Maschinenraum gewesen, denn nun 

wurde man von Auszügen aus dem "Totenschiff" von B. Traven gefesselt. Der Schauspieler Ralph Melzow vom Transit­Theater 

Münster las, musikalisch und sprachlich unterstützt von Ernie Rissmann, aus der berühmten Erstausgabe der Büchergilde Guten-

berg von 1924 die Passagen, in denen der Matrose Gale sich langsam in die unerträgliche Arbeit an den Heizkesseln der "Yorikke"

einfindet. Während die Ohren auf Travens harten Text und die weiche Stimme von Melzow konzentriert waren, konnte man die Blicke 

am Kanal auf Wanderschaft schicken. Die riesige Kanalbaustelle, Maisfelder, Birgter Bogen und Nasses Dreieck, wo ja wie in 

Dörenthe die sogenannten Botschaftsgärten der touristischen Erschließung der Kanalroute dienen sollen. Dann Angler, Schiffsaus-

rüster und die für Landratten schwer entzifferbaren Verkehrsschilder der "BinSchStrO", wie eins dieser Schilder verrät.

Landgang in Uffeln mit Verpflegungsausgabe vom Grill. Dann schlugen die "Orgelpfeifen" zu, sieben von sonst 13 jungen Erwachs-

enen aus der Gegend um Westerkappeln, die sich bei der ehrenamtlichen Arbeit der evangelischen Kirche als Improvisationstheater

gefunden haben.

                                                                                                                

 

 

Auch die Besatzungen der dort liegenden Schiffe waren begeistert, wie Janine Armbrecht, Anna Könning, Matthias Preußner, Verena

Jannaber und Doris Roggemann aus Stichworten des Publikums ein Geschehen entwickelten, Gefühle triefen ließen oder die un-

möglichsten Orte zum Schauplatz schauriger und lustiger Szenen machten. Am Keyboard verhalt den Kul-Touristen Malte Stiegemeyer

sogar zum Operngenuss, während Friederike Niederdalhoff Mimen und Zuschauer zu Höchstleistungen antrieb.

Zurück im Schiff konnte man ein Naturschauspiel sehen, das man gern auch den Organisatoren zuschreiben möchte, die trotz vieler Un-

wägbarkeiten ein unvergessliches Erlebnis auf die Beine gestellt haben. An Steuerbord ging die Sonne unter, während backbords der 

Vollmond aufging, und beider Schein spiegelte sich im Wasser des Kanals. Dann, im Dunkeln, waren da bis zur Rückkehr nach Dörenthe

nur noch die Stimmen von Melzow und Rissmann und das endgültige Absinken Gales und seines Totenschiffs bis zum Punkt ohne 

Wiederkehr.

Fotos und Text: Wilm Froese, veröffentlicht IVZ 15. Juli 2003

 

 

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