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"Ausstellen ist so etwas wie ein Teekesselchenrätsel"    am 18.08.2007 16:00 Uhr

"Lauter Bilder - Rückblick mit 60": Vernissage mit Arnold Brämswig

Einen kunstvollen Beginn hatte das neunte Dörenther Hafenfest am Samstag mit der Eröffnung der Ausstellung "Lauter Bilder - Rück-

blick mit 60" des Künstlers Arnold Brämswig im Kulturspeicher Dörenthe. Dr. Gerd Overmeyer, Vorsitzender des Fördervereins Kultur-

speicher Dörenthe, begrüßte die zahlreich erschienenen Kunstinteressierten mit der Hoffnung, ihnen das ganze Schaffen des Künstlers

präsentieren zu können, der sich selbst gar nicht so gern im Rampenlicht sieht. "Ausstellen", erklärte er, "ist so etwas wie ein Teekessel-

chenrästsel. Man kann zum Beispiel einen Fernseher ausstellen wie ein Bild - das bedeutet, dass der Schaffensprozess damit endgültig

abgeschlossen ist," Andererseits könne es aber auch bedeuten, etwas nach außen zu tragen. Seine Nervosität ließ sich der Lehrer für

Deutsch, Pädagogik und Philosophie kaum anmerken und durchschritt den Ausstellungsraum bis zur Eröffnung im Gang des Philosophen:

die Hände auf dem Rücken verschränkt. Nach Meinung der Anwesenden war diese Nervosität aber keineswegs erforderlich. Overmeyer

zitierte einen Artikel des Wochenmagazins der "Zeit" mit dem Titel "Warum ist Selbsterkenntnis wertvoll?", indem es unter anderem hieß, 

der Blick anderer sei eine Korrekkturinstanz, die uns auf kleinere Mängel aufmerksam machen könne. "Ich glaube, dass sich Herr 

Brämswig auf dem Weg befindet und keine Korrekturen fürchten muss", lobte Overmeyer daraufhin den Brochterbecker Künstler. Auch 

wenn kein typischer Stil und kein bestimmtes Thema erkennbar seien, so handle es sich doch um eine andauernde Auseinandersetzung

mit den eigenen Ideen, und die große Bandbreite sei Ausdruck der eigenen Kreativität.

Reinhard Bamming, ein Freund der Familie, stellte den Künstler vor Ausstellungseröffnung in einem kurzen Gespräch vor. Er stellte

Fragen, auf die Arnold Brämswig dann spontan antworten musste. Das Interview endete mit der Antwort darauf, welche Frage für ihn 

unangenehmer sei: Was er mit dem Bild aussagen wolle oder was das Bild kosten würde. Brämswig nannte dabei die zweite Frage die

unangenehmere. Es könne durchaus passieren, meinte er, dass er selbst das Bild mit einer bestimmten Bedeutung gemalt habe, dass

ein Betrachter aber etwas völlig anderes darin sehe. Beides sei aber gleich wichtig. Overmeyer resümierte anschließend, der Künstler

sei durchaus bereit sich der Öffentlichkeit zu zeigen und eröffnete  damit die Ausstellung, die vom "Trio Nostalgie", bestehend aus 

Marzena Helgert (Violine), Helga Kell (Keyboard) und Wolfgang Marschall (Kontrabass), begleitet wurde und den Auftakt zum Dörenther

Hafenfest bildete.

Text: Anna Bühren, veröffentlicht IVZ 23.08.07 

 

 

 

Schubladen mag er gar nicht    am 18.08.2007 16:00 Uhr

Die Nachbarn ließen ihm keine Wahl: Arnold Brämswig stellt endlich seine tollen Bilder aus

Mit den Schubladen ist das so eine Sache bei Arnold Brämswig: Der Wahl-Brochterbecker hat aquarelliert, gezeichnet, mit Öl und Acryl,

Spachteln und Eitempera gearbeitet, oft experimentiert. Der Mann kann Landschaft, Stillleben, impressionistisch, expressionistisch und

vor allem surrealistisch.

Da denkt jeder gleich an 

Dali. Aber die zeitgenös-

sischen deutschen Maler,

die mag er auch. Von

Basewitz oder den

Immendorf, trotz seiner

Drogen-Rotlicht-Eskapa-

den. Keine Schublade

passt, und gerade darum

wird es Zeit, dass Arnold

Brämswig endlich einmal

ausstellt. Denn das hat 

der ein bisschen introver-

tierte, philosophisch 

durchdrungene und sehr höfliche Pädagoge bislang erfolgreich umschifft. Vergangene Woche ist Arnold Brämswig 60 Jahre als geworden.

"Jetzt musst du aber endlich mal ausstellen", entschied die freundliche Nachbarschaft am Meisenweg mit bestimmten Worten. Weil die

Kreiskulturnacht vor der Tür steht und überall am Wochenende was Kulturelles los ist, zeigt Brämswig in diesem Rahmen seine Bilder im

Kulturspeicher Dörenthe, direkt am DortmundEms-Kanal: am Samstag, 18. August, ab 16 Uhr und am Sonntag, 19. August, von 10 bis 18

Uhr. In der Kulturnacht dazwischen und auch sonst ist er da für alle Fragen. Die könnten sich durchaus ergeben, denn Brämswig malt

keine hübschen Blumenbouquets oder liebliche Landschaften. Seine Bilder sind kryptisch, fragend, voller Methapern, Sinnbilder und

Symbolik. Ganz harmlos "Lauter Bilder - Rückblick mit 60" nennt er seine Ausstellung. Das Anschauen meist großformatiger Leinwände

hat mit betulicher Retrospektive aber nichts zu tun. Wenn sich Brämswig auch als Traditionalist sieht und modernem Kunst-Minimalismus

nichts abgewinnen kann. Es sei sein Kunstlehrer gewesen, der ihn so ungefähr im Alter von 14 Jahren inspiriert habe. Seitdem sei der

Strom an Kreativität, der Wunsch, sich mit vielerlei Mitteln künstlerisch auszudrücken, niemals abgerissen, erinnert sich Brämswig. Die

Vernunft diktierte die Lehrerausbildung. Seit 30 Jahren gehört er fest zum Lehrkörper des Graf-Adolf-Gymnasiums, ist heute Konrektor, hat

aber immerhin, mit schon über 40 Jahren, ein Kunststudium erfolgreich abgeschlossen. So kann er heute Kunst unterrichten, was er

aktuell in drei Jahrgängen tut.

Die Malerei lässt ihn nicht los, erst recht nicht im

Urlaub. Ehefrau Rita kennt das schon: Am Urlaubs-

ort wird so rumgestöbert. Im westholländischen

Städtchen Middelburg zum Beispiel entdeckte

Brämswig so ein Stöberlädchen. "Die hatten sogar

Neapelgelb", lacht Rita Brämswig. Eine Farbe, die

ihr Mann wohl gerade dringend suchte. Große

Öffentlichkeit und Arnold Brämswig - Welten prallen

aufeinander. Doch jetzt geht er raus aus seinem

Wintergartenatelier und stellt aus. Man darf also

gespannt sein, was ein Mann, der seit mehr als 40 

Jahren malt, zeigen wird. Musik zur Eröffnung am 

Samstag gibt es auch: Marzena Helgert (Violine), Helga Hell (Keyboard) und Wolfgang Marschall (Kontrabass)  liefern den dezenten

Soundtrack. Begrüßen wird Vorsitzender Dr. Gerd Overmeyer vom Förderverein Kulturspeicher.

Text: Jörg Birgoleit, veröffentlicht IVZ 16.08.07, Fotos Arnold Brämswig

 

 

 

                                                                                                                        

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